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"Panzerkreuzer Potemkin" fasziniert im Jahr 1951

  • Tacitus
  • February 18, 2021 at 6:13 AM
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Tagebucheintrag eines Berliners vom 28. Dezember 1951 über einen Kinobesuch am 16. Dezember 1951.

Quote

Dieses Meisterwerk von Sergej Eisenstein begründete in den 20er Jahren den Ruhm des neuen russischen Films. Thematisch und formal werden hier neue Wege gegangen. Zum ersten Male ist das Volk Träger der Handlung, das Kollektiv wird erstmalig zum Protagonisten. Worin beruht nun die aufrüttelnde, faszinierende Wirkung dieses Films? Es ist eine Komposition von grausamen realistischen Details, die mitunter von abstoßender, brutaler Penetranz sind. Erstaunlich, mit welcher Berharrlichkeit auf diesen Details ausgeruht wird.

"Am Sonntag vormittags nach Charlottenburg. In der "Kurbel", Giesebrechtstr. wird von der Film-Studiengemeinschaft um 10 30 Uhr für Studenten und Mitglieder des Vereins der Film "Pazerkreuzer Potemkin" gezeigt. Dieses Meisterwerk von Sergej Eisenstein begründete in den 20er Jahren den Ruhm des neuen russischen Films. Thematisch und formal werden hier neue Wege gegangen. Zum ersten Male ist das Volk Träger der Handlung, das Kollektiv wird erstmalig zum Protagonisten. Worin beruht nun die aufrüttelnde, faszinierende Wirkung dieses Films? Es ist eine Komposition von grausamen realistischen Details, die mitunter von abstoßender, brutaler Penetranz sind. Erstaunlich, mit welcher Berharrlichkeit auf diesen Details ausgeruht wird. Die unerbittliche Grausamkeit der Revolutionunterdrückung wird mit unertbittlicher Grausamkeit festgehalten. Anonyme Schicksale aus der Masse werden aufgegriffen, für den Augenblick ins Individuelle hervorgerückt, ohne aber den Bezug zum Kollektiven verlorengehen zu lassen, für einen Augenblick verliert sich das Einzelschicksal, ein neues wird aufgenommen, das andere wieder ins Bild gebracht, dies ein paar Male wiederholt, bis das eine endgültig fahren gelassen wird. Welche einprägsame Gesichter, welch einmaligen Typen sind hier eingefangen. Man wird andauernd an Dostojewski's "Erniedrigte und Beleidigte" erinnert. Zum Erschrecken aufgerissene Augen, gequälte Münder, wirre Haare, leidensverzerrte Physiognomien prägen sich einem ein. Das ist schon beinahe nicht mehr realistisches Detail selbst, es ist Ausdruck des realistischen Details. Dazu kommt eine für die damalige Zeit recht geschickte optisch-ästhetische Kameraführung, ein in allem Russischen verwurzeltes menschliches Verbrüderungsideal, das im Extrem gesteigert ist, und in diesem Thema speziell von der frischen naiven Kraft und echten Dynamik der Revolution und des Revolutionsgedankens gespeist ist. Ein Film, der, ist man schreckhaft, einen bestimmt schlaflose Nächte bereiten kann, aber trotz seiner grausamen Intensität von einem einmaligen Reiz ist. ---"

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