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  1. Geschriebene Geschichte
  2. Historische Texte

Ein Soldat berichtet über einen Kameraden, der in Stalingrad war

  • Tacitus
  • January 26, 2012 at 3:40 PM
  • 3,028 Views
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Ein Soldat schreibt am 27. Dezember 1943 seiner Frau einen Brief aus Trier. Drei Worte, die wir nicht richtig entziffern konnten, haben wir mit einem (?) gekennzeichnet. Einen Nachnamen haben wir zweimal abgekürzt.

"Mir gegenüber sitzt ein Kamerad u. zeichnet. Ich weiß, er wär arg gern an Weihnachten nachhaus gefahren. Auch keiner von den Jüngsten mehr, Jahrgang 1906. Er heißt K. Voriges Jahr hat er Weihnachten in Stalingrad gefeiert. Am 14. Januar ist er mit dem Flugzeug herausgekommen. Er hat vor ein paar Tagen davon erzählt. Bis in den November hinein hatten täglich nur 2 Mann zusammen einen Leib Brot bekommen. Und dann waren die Truppen drinnen eingeschlossen worden. Man hat es ihnen bekannt gegeben u. gesagt sie sollten deswegen nicht den Kopf verlieren. Es sei schon eine Armee unterwegs, die den Kessel von außen wieder sprengen sollte. Aber sie sehen es wohl ein, daß die Verpflegung jetzt knapper werden müßte. Man wollt auch Einsparungen für Weihnachten machen. So haben eben mit einem Schlag immer noch 14 Mann zusammen ein Brot (3 Pfund) bekommen n. dazu gab es noch eine Hand voll gekochtes u. durchgedrehtes Pferdefleisch. Das war die Essensration für den ganzen Tag. Aber die Kampfhandlung waren gering. Es hat hin und wieder da eine Granate in der Nähe eingeschlagen. Aber das hat man nicht für tragisch genommen. Und dann kam der Heilige Abend. Da haben sie wirklich für jeden eine Rolle Drops und eine Schachtel Zigaretten gehabt. Das war alles der Hauptmann ist von Bunker zu Bunker gegangen u. hat sich eine Tischdecke u. ein kleines Weihnachtsbände (?) mitgebracht u. damit hat man dann die Bescherung so schön als möglich hergerichtet. Aber man hat natürlich doch überall die ganze Armseligkeit durchgemacht. Nach Neujahr hat er, K., sich nicht wohl gefühlt. Da wollte er nur einmal einen Tag dienstfrei machen um sich zu erholen u. dann wieder weitermachen. Aber da hat sich der Sproß (?) stur gezeigt u. gesagt, das gibt es nicht. Entweder er wird vom Arzt krank geschrieben oder er macht Dienst. Und das war sein Glück. Denn jetzt sagt er sich, wenn das so ist, dann geh ich jetzt eben zum Arzt. Er hätte es sonst nicht getan. Denn gefehlt hat ja in Wirklichkeit jeden was. Und der Arzt hat festgestellt, er sei virenkrank u. nun kam er in einen besonderen Bunker u. von dort wurde er mit dem Flugzeug hinaus transportiert. Nach 2 ½ stündiger Flugzeit kam er auf einen Hauptverbandsplatz an. Da wurden die, die von Stalingrad kamen besonders genommen und es wurden jedem 2 Leibe Brot unter den Arm gedrückt. Die hat er an dem Abend noch aufgegessen. Und dann bekamen sie erst ihre richtige Verpflegung. Am anderen Morgen hörte er dann, die Russen hätten 35 km vom Verbandsplatz entfernt einen Panzerangriff gemacht. Da ist ihm erst klar geworden, daß die Russen sich naidlich (?) dick um Staligrad herumgelegt haben mußten u. nun froh er sein muß, daß er aus dem Kessel herausgekommen war."

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