Brief vom 19. August 1914 aus Danzig-Langfuhr

"Sein junger Mann und der Hausdiener sind zum Militär eingezogen. Einige Tage ging es dort hoch her, weil garkein männliches Personal vorhanden war. Jetzt ist Ersatz beschafft und geht alles seinen gewohnten Gang. Ich warte jeden Tag auf Einquartierung. Die jetzige politische Lage bringt doch entsetzlich viel Aufregung, wenn ich die vollgefropften Soldatenzüge sehe, könnte ich immer laut weinen, trotzdem unsere Vaterlandsverteidiger mit einer riesigen Begeisterung ausziehen. Die erste Aufregung ist vorüber, hoffentlich trägt Deutschland den Sieg davon. In den ersten Tagen konntest Du hier für Geld nichts bekommen. Am ersten August kam ich weinend nach Hause, weil ich hundert Mark in der Tasche hatte und kein Brot bekam. Auch dieser Übelstand ist jetzt behoben. Einige Tage war über Danzig der verstärkte Kriegszustand verhängt, mutmaßlich wegen der vielen Spione, diese waren hier in großen Mengen vertreten. Einzelheiten über diese Angelegenheit erfährt man wohl erst nach dem Kriege."

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