Brief vom 7. Januar 1915 aus Hohenaltheim

"So friedlich wie bei Euch ists allerdings nicht überall an der Front zugegangen. Ludwig schreibt von schweren Sturmangriffen auf den Vogesenhöhen und der 23. Dez. hat uns einen Landsturmmann von hier, einen Pionier, gekostet, der beim Drahtverhhauausbau durch den Bauch geschossen wurde. Unter den deutschen Soldaten scheint das Gerücht verbreitet gewesen zu sein, daß am 24. Dez. ein allgemeiner Durchbruchversuch werden sollte; so erzählt einer, der 3 Tage vor Weihnachten wegen Herzstörungen von Arras zurückkam. Ich hielts gleich für sehr unwahrscheinlich, weil es geradezu wahnsinnig gewesen wäre. Es blieb ja dann auch auf allen Seiten ruhig. Wir warten natürlich in Ungeduld darauf, daß sich endlich wenigstens ein kleinstes Anzeichen bemerkbar mache dafür, daß die Lage der Franz. an einem Punkt wenigstens unhaltbar werde. Aber man sieht immer noch nichts. Gerade jetzt an unserem geradezu scheußlichen Wetter meint mans gar nicht mehr aushalten zu können vor Ungeduld, weil man immer an Eure trostlose Lage in Nässe und Kälte denken muß. Es gießt z.Zt. seit ein paar Tagen, was nur herunter kann. Wie viel besser wäre trocken kälte!"

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