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Gedicht - Dunkle Jugend

  • Tacitus
  • August 11, 2016 at 7:16 PM
  • 1,965 Views
  • 0 Replies

Ein äußerst trauriges Gedicht, das aber die Zeit während des 1. Weltkriegs (zwar wird der Krieg nicht genannt, doch gehen wir davon aus, dass das Gedicht eng im Zusammenhang damit steht) sehr anschaulich schildert. Das Gedicht haben wir in einem Poesiealbum eines jungen Fräuleins aus Franken gefunden. Das Poesiealbum ist mit schönen Einträgen gefüllt, teilweise mit wunderschönen Zeichnungen - und auch einigen Gedichten, welche die damalige Besitzerin des Albums selbst verfasst hat.

Dunkle Jugend.


O sprich nicht von der Jugend mir

Als eine Zeit der Rosen,

Des Friedens und der Fröhlichkeit

Der frischen sorgelosen.


Denk Dir ein überschlankes Kind

Mit schmalen, blassen Wangen,

Im schlichten, ausgeflickten kleid

Nicht Bänder oder Spangen.

Die tiefen Augen feucht geweint

Und brennend heiß die Lider,

Die Hand von schwerer Frone hart

Und schlaff die jugen Glieder


Denk Dir das Kind tagaus - tagein,

Im Kampf mit Leid und Sorgen,

Mit vielen Traumgesichtern nachts,

Und Seufzern früh am Morgen.


Denk es Dir einsam, freudearm,

Mit dunklen Blicken trauern;

Nach einem fernen, süßen Glück,

In dumpfer Sehnsucht schauern.


Die Hände auf das Herz gepreßt,

Stets ängstlich vorwärts bangend,

Nie harmlos, nie voll Überschwang,

Auch daß, auch daß

"ist Jugend".

Anmerkung: Wann wir das Gedicht genau auf der Seite eingestellt haben, konnten wir anhand der alten Neues-Meldungen nicht mehr nachvollziehen. Deswegen haben wir das Datum eingetragen, an dem wir das Gedicht bei Facebook verlinkt haben.

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