Marodes Klo sorgt 1937 in Köthen für Sturz in Jauchegrube

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Gerade Platz genommen, hörte er das Geräusch von brechendem vermodertem und faulem Holz. Reinhold war mit Klo in das Sammelbecken von allen Mietern eingebrochen und steckte in der Scheiße bis zum Hals. [...] Er kämpfte um sein Leben. Sich immer wieder irgendwo und irgendwie fest haltend und teilweise schwimmend über der Jauche zu halten, brüllte er nach Hilfe. Reinhold wußte, daß die Gase am gefährlichsten waren. Onkel Karl hörte stimmen vom Hof...

“Zu diesem Zweck kaufte sich Reinhold einen neuen Massanzug Nadelstreifen, Zweireiher, der auch zur Hochzeit getragen werden sollte. Gretchen kaufte ein Samtkissen was bei der Eisenbahnfahrt die Abnutzung des Stoffes am Gesäß in Grenzen halten sollte. „Der Anzug muß lange halten und wird sonst am Hintern blank!“ sagte sie. Außerdem wollte sie ja mit ihrem Bräutigam bei Tante Hildegard und Onkel Karl Eindruck schinden. [...] Später nach Kaffee und Kuchen kam was kommen mußte. Reinhold mußte. Im Gegensatz zu seiner bald zu beziehenden Wohnung mit Toilette innen war diese nicht mit Klo ausgestattet. Auch nicht eine halbe Treppe tiefer, wie in Berlin noch üblich. Mußte er zwei Treppen runter über den Hof in einen kleinen anbau mit mehreren Klos. Es handelte sich hier keinesfalls um einen Bauernhof auf dem Lande, wo neben dem Misthaufen ein kleines Holzhäuschen mit ausgeschnittenem Herz versehen sondern um eine Stadtwohnung mit mehreren Mietern. Wenn auch Kleinstadt. Er betrat den Anbau, die Zelle suchend mit Klorolle oder geschnittenem Zeitungspapier unterm Arm und Druck in der eigenen Leitung. Gerade Platz genommen, hörte er das Geräusch von brechendem vermodertem und faulem Holz. Reinhold war mit Klo in das Sammelbecken von allen Mietern eingebrochen und steckte in der Scheiße bis zum Hals. In einem Städtekampfvergleichs Berlin – Leipzig war er im 100 m Brustschwimmen 1934 immerhin Dritter geworden, doch nutzte ihm das in dieser Güllebrühe wenig. Er kämpfte um sein Leben. Sich immer wieder irgendwo und irgendwie fest haltend und teilweise schwimmend über der Jauche zu halten, brüllte er nach Hilfe. Reinhold wußte, daß die Gase am gefährlichsten waren. Onkel Karl hörte stimmen vom Hof. Er ahnte wohl, daß hier etwas nicht stimmen konnte. Nach genaurem hinhören rief er aus „Reinhold ist in die Scheiße gefallen!“ und rannte los. Er nam nicht Stufen sondern ganze Treppen und kam im letzten Augenblick. Onkel Karl zog Reinhold am Arm wieder heraus aus der Gülle, umarmte ihn aber nicht. Die beiden Frauen, mittlerweile auch auf dem Hof erschienen, waren froh über diese Rettungstat und das dadurch erhaltene Leben Reinholds. Sie fingen sofort mit Schlauch und Gießkanne mit der Reinigung an. Es dauerte Stunden. Die Rückfahrt nach Berlin mußte verschoben werden, da die Reinigung von Reini zu lange dauerte. Mit geliehenem Anzug von Onkel Karl, der leider viel zu klein war, machten sich Reinhold und Gretchen am nächsten Tag wieder nach Berlin. Im Zug rümpften noch einige Reisende die Nase. Er roch irgendwie nach Dung. Trotz intensiver Reinigugn mit aufgetrennten Nähten..."