Richard Wagner bei den ersten Bayreuther Festspielen 1876

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Einmal unterbrach er die Probe, trat an die Rampe und sprach zu den Herren im Orchester, bitte mehr piano, es ist schrecklich viel Musik, ja, ja, ne, ne. Die Nummer wurde wiederholt und er bemerkte, so war es schon besser, aber bitte noch einmal und noch mehr piano, bis er zufrieden war und sagte, so jetzt war es sehr gut. Einige Musiker teilten mir später mit, sie hätten zuletzt überhaupt nicht gespielt...

"Wagner erschien überall um an vieles zu erinnern, zu bemerken, zu begutachten und Wünsche zu äußern. Einmal unterbrach er die Probe, trat an die Rampe und sprach zu den Herren im Orchester, bitte mehr piano, es ist schrecklich viel Musik, ja, ja, ne, ne. Die Nummer wurde wiederholt und er bemerkte, so war es schon besser, aber bitte noch einmal und noch mehr piano, bis er zufrieden war und sagte, so jetzt war es sehr gut. Einige Musiker teilten mir später mit, sie hätten zuletzt überhaupt nicht gespielt. Wagner leitete die Proben im Zuschauerraum, umgeben von seinem Stab junger Musiker, erteilte Bemerkungen, Aufträge und schriftliche Notizen, eilte auch selbst öfter auf die Scene um anzuordnen usw. Er war bald ruhig, bald aufgeregt, zufrieden, unzufrieden, je nachdem die Vorgänge fortgeschritten. Nach Beendigung der Probe war er umgeben von den Mitwirkenden, meist den Damen, beantwortete deren Fragen, lobte, tadelte, ergänzte, erläuterte einzelne Stellen, nannte die Damen seine Kinder, küsste zur Belobigung und trank öfter ein Schnäpschen. Es waren furchtbar aufregende, anstrengende Tage."


Der Text stammt aus dem Buch:


Fritz Brandt,

König Ludwig II.

und der Pfauenwagen


Erinnerungen eines Bühnentechnikers

1846 bis 1876



Mehr Informationen zu diesem Buch finden Sie auf http://www.pfauenwagen.de