Afrika 1943: Schlager und Stellungskrieg im "Bunkerpalais"

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Abends geht der Kampf los: „Jantsch, stellen Sei doch das verrückte Gedudel um!“, - darauf ich: „Jawoll“ - und drehe für 60 Sekunden ein Symphoniekonzert an. Dann schleiche ich langsam wieder auf Tanzmusik. Bis zu Ilse Werner habe ich ihn schon gewöhnt, bloss bei Peter Igelhoff schnappt er nach Luft...

"Zu Deinem Geburtstag bekommst Du mangels Geschenken ein Trommelfeuer von Briefen und ein Streufeuer von Bildern. […] Eben singt wieder mal die göttliche Leander „..davon geht die Welt nicht unter...“ …wenn man das so hört wie ich, dann glaubt man dieser Philosophie fast. Ich habe jetzt einen dicken Beton-Bunker, wir sind hier so eine Art Afrikanische Maginot-Linie. Es ist nur lütt, hat zwei Räume, davon bewohnt einen der Kommandeur und den anderen ich. Bei mir steht – natürlich – das Radio! Abends geht der Kampf los: „Jantsch, stellen Sei doch das verrückte Gedudel um!“, - darauf ich: „Jawoll“ - und drehe für 60 Sekunden ein Symphoniekonzert an. Dann schleiche ich langsam wieder auf Tanzmusik. Bis zu Ilse Werner habe ich ihn schon gewöhnt, bloss bei Peter Igelhoff schnappt er nach Luft. -

Mein Bunkerpalais ist mit Tuch austapeziert, mit Bett, weissgedecktem Tisch mit Blumen und selbstkonstruiertem Lehnstuhl. Eine Wand ist voller Bilder, meine sämtlichen Frauen, - auf der anderen hängt etwas bunter, aber von recht prosaischem Inhalt die Stellungskarte. Dann habe ich eine vielbeneidete Rauch- und Nachttischkombination mit englischen Zigaretten und so, u.a. einen Novellenband von Stendhal von Tante Grethe. - Es ist überhaupt ein richtiger Stellungskrieg heir, wie man ihn als alter Afrikaner kaum kennt, aber im Stillen heiß liebt, wie alles, was nach Sesshaftigkeit und „Komfort“ aussieht."

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