Zahlreiche Menschen sterben an der "Roten Ruhr"

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...sind in der vorigen Woche 2 kleine Kinder gestorben. In Lotte, Wersen und Badbergen ist die leydige Dysenterie etwas stärker, doch nicht einmal so beträchtlich, wie in Lienen. In unserm Cappeln aber ist sie leyder durch das ganze Kirchspiel allgemein, und vorigen Montag waren schon seit geraume 3 bis 3 ½ Wochen 72 Menschen daran gestorben!

"Dazu kommt, daß wir alle Tage regenhafte und sehr unangenehme Witterung haben; auch daß von hier aus, bis wenigstens auf die Hälfte des Weges nach Bremen hin, überall die rothe Ruhr graßirt – das macht mir einiges Bedenken. Denn so wenig ich mich vor dieser Krankheit fürchten würde, wenn Amt und Beruf mich aufforderte, in Gegenden oder Häuser zu kommen, in welchen diese Krankheit herrschet; so finde ichs doch bedenklich, mich ihnen unberufen zu nähern. Hat doch Hr. Gempt, aus der Gegend die rothe Ruhr mit hierher gebracht. Doch ist durch ihn Niemand hieselbst angestecket, und er selbst, nachdem er schlimm daran gelegen, doch glücklich durchggekommen so, daß er schon vorigen Sonntag zu seinem Rgt nach Münster hat reisen können. Wie es in Lienen mit der Krankheit stehe, wirst Du zweifelsohne aus der Einlage sehen. In unserm Städtchen hat sie [...] vielleicht kaum Einer gehabt: auch in unserm Kirchspiel mögen bis jetzt höchstens 6 oder 7 Menschen damit, oder mit der weißen Ruhr, heimgesuchet seyn. Nur an der letzteren sind in der vorigen Woche 2 kleine Kinder gestorben. In Lotte, Wersen und Badbergen ist die leydige Dysenterie etwas stärker, doch nicht einmal so beträchtlich, wie in Lienen. In unserm Cappeln aber ist sie leyder durch das ganze Kirchspiel allgemein, und vorigen Montag waren schon seit geraume 3 bis 3 ½ Wochen 72 Menschen daran gestorben! In unserer Familie leydet, Gottlob! noch Keiner daran, auch befindet sich einjeder in derselben nach seiner Art noch wohl."