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Schlacht bei Gravelotte: Blut, Leid & Lynchjustiz

  • Tacitus
  • August 19, 2020 at 1:39 AM
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Grausame Schilderungen eines Soldaten in seinen Erinnerungen vom Tag nach der Schlacht bei Gravelotte, dem 19. August 1870.

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Durch den dichtgeschloßenen Kreis mich durcharbeitend, entdeckte ich denn an der Erde liegend, ein altes Frauenzimmer, dem vermittelst einer Fourragierleine die Hände und Füße geknebelt waren. Es hatten sich die bereits seit einigen Stunden umlaufenden gerüchte dahin bestätigt, daß dieses Weib auf dem Schlachtfelde mehrere verwundete deutsche officieren mit einem Meßer die Hälse durchschnitten und sonstige greuelthaten an Hülflose verübt habe...

"Es war kaum Tag geworden, als mich das herzzerreißende Jammern und Wimmern der zwischen uns liegenden Verwundeten, wovon gewiß mancher unter dne entsetzlichsten Schmerzen, von aller menschlicher Hülfe entblößt, erst diese Nacht seinen Geist aufgegeben, nicht mehr schlafen ließ. [...] Viele meiner Cameraden lagen noch im tiefen Schlummer, theilsweise müdes Haupt auf todte Körper gelegt. Tornister, gewehre und sonstige Ausrüstungsgegenstände bedeckten in Menge den blutgetränkten Boden. Die Sonne, einen neuen Tag verkündend, stieg am Himmel auf und ließ ihre erwärmenden Strahlen auf Lebendige und Todte niederfallen. Sie sollten Licht in das Dunkel der ereigniße des gestrigen Tages bringen und uns das entsetzliche Elend, die Folgen einer großen Schlacht klar vor Augen stellen. [...] Die Krankenträger Compagnien, welche beauftragt waren, die noch in Menge umherliegen, den verwundeten zusammenzutragen, brachten eine große Zahl meistens Schwerverwundeter in das Dorf und da die wenigen, vom Feuer verschonten Wohnhäuser, Scheunen und Stallungen bereits von vor Schmerzen jammernden Bleßirten angefüllt waren, so wurden diese Unglücklichen, denen theilweise bis zu dieser Stunde alle menschliche Hülfe gefehlt, auf nur dürftiges Stroh der länge nach neben einadner auf die Straße niedergelegt um je nach der Art ihrer Verwundng von den, in einem, zum Verbandplatze und Lazareth eingerichteten gebäude, thätigen deutschen u. französischen Ärzte behandelt zu werden. Letztere, namentlich aber die französischen Ärzte, hatten während ihrer Blutarbeit, von der Brust bis zu den Knien herunterhängende weiße leinene Schürzen vorgebunden, auf denen die große Flecken des rothen Lebenssaftes von der vielseitig gefundenen Arbeit Zeugniß ablegten. [...]
Aber eben dieses Wimmern der Unglücklichen, welches oft durch die Worte: "O, mon Dieu", oder: "meine arme Mutter, meine arme Frau!" unterbrochen wurde, schnitt mir fast das Herz ab. [...]

Noch im Schmausen begriffen, bemerkte ich, kaum 30 Schritt von der Stelle wo ich auf einem todten Pferde saß und aus einem Kochgeschirr gebratenes Schweinefleisch verzehrte, einen großen Auflauf von Soldaten der sich fortwährend mehrte. Aus diesem wilden Menschen knäuel ertönten die gräßlichsten Schimpfwörter und Flüche mir entgegen, so daß ich nun sofort der Stelle zu eilte, um die Ursache dieses Lärmens zu erfahren. Durch den dichtgeschloßenen Kreis mich durcharbeitend, entdeckte ich denn an der Erde liegend, ein altes Frauenzimmer, dem vermittelst einer Fourragierleine die Hände und Füße geknebelt waren. Es hatten sich die bereits seit einigen Stunden umlaufenden gerüchte dahin bestätigt, daß dieses Weib auf dem Schlachtfelde mehrere verwundete deutsche officieren mit einem Meßer die Hälse durchschnitten und sonstige greuelthaten an Hülflose verübt habe. [...] ...gab auf viele vergebliche Fragen endlich zur antwort, daß die Pfaffen sie zu solchen himmelschreienden Thätlichkeiten veranlaßt hätten. Die Person besaß aber, trotzdem sie unsererseits keine Schonung zu erwarten hatte, die Frechheit, nachdem sie von eingen Soldaten angespien, diese tiefe Verachtung ausdrückende Weise durch das Auspeien ihrerseits zu verhöhnen. [...] ...bis mehrere Stimmen riefen: "Aufhängen, Aufhängen!" und ohne Weiteres wurde Lynchjustiz geübt, das Schuesal auf dem Bdoen fortgeschleift und an dem nächsten Baume aufgehängt. [...] Nach diesem schauerlichen orfalle war es mir nicht möglich meine unterbrochene Mahlzeit zu beenden und ich legte mich unter einen aus Stroh errichteten Windschirm an die Erde nieder um zu ruhen."

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