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Ein Hitlerjunge über den Reichsparteitag in Nürnberg 1935

  • Tacitus
  • August 18, 2016 at 11:54 PM
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Tagebucheintrag vom 14. September 1935 aus Nürnberg. Ein Hitlerjunge wird im Rahmen der "Reichsparteitage" in Nürnberg Zeuge einer berühmt gewordenen Rede Adolf Hitlers. Der Text zeigt deutlich, wie das damalige Denken der jungen Menschen war und wie sie auf "ihren Führer" reagierten.

"Ich sehe den Führer!

[...] Sämtliche Plätze in der großen Runde waren angefüllt von Hitlermädels und Hitlerjungens. Wir kamen sofort an die Bahn zu stehen, doch ziemlich weit von der Tribüne. Hatten wir solches Pech! Sollten wir nur aus großer Ferne unseren Führer sehen können? Lange dauerte es bis der Führer kam. Wir hatten uns hingesetzt und warteten und guckten. Der ganze Kreis war von Fahnen umsäumt. Hinter uns standen in zwei riesigen Säulen die Bann und Jungbannfahnen ganz Deutschlands, dazwischen der Sprechchor. In den einzelnen Gängen zwischen den Bannblocks eilten Geschäftig die Kameraleute und Filmoperateure umher. Alles wartete gespannt. Große Lautsprecher kündeten schließlich die Ankunft Hitlers an. "Achtung, alles stillgestanden!" Heilrufen ertönte am Eingang. Wir reckten die Hälse um "ihn" zu sehen. Nur einen kurzen Augenblick lang tauchte er zwischen den Armen der Heilrufenden auf. Wir standen alle wie Bildsäulen in "Stillgestanden". Jetzt erreichte er die Tribüne. Immer noch jubelte das Volk ihm zu. Allmählich erst verhallte das Heilrufen und, nachdem man sich begrüßt hatte, trat Baldur von Schirach vor und meldete dem Führer. Aller Augen waren auf die Tribüne gerichtet. Man erkannte vorne Adolf Hitler mit Baldur von Schirach. [...] Vor lauter Recken, sehen und Staunen hatte man es kaum gehört. Mehrmals begann jetzt Adolf Hitler zu sprechen, aber immer wurden seine Worte von dem Jubel 1000er von Jungens und Mädels übertönt. "Der deutsche Junge soll sein hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie Windhunde." Dieser eine Satz liegt mir ganz besonders noch in Erinnerung und ich werde ihn nie vergessen. Schon hatte er geendet. Viel zu schnell gings. Rasender Beifall folgte seinem letzten Wort.

Sollte das alles sein? Sollten wir unseren Führer nicht näher sehen? Wir waren etwas enttäuscht! Da! Alle unsere Erwartungen wurden übertroffen. "Alles stillgestanden! Unser Führer schreitet die einzelnen Marschblocks ab!"

Ich stand ganz vorne in erster Reihe. Erwartungsvoll warteten alle. Schon tauchte er in der Reihe vor uns auf. Fotographen liefen eilige hin und her. Jede Minute mußte er am Anfang unseres Blocks auftauchen. Jetzt! Der große Augenblick war gekommen. Langsam ging er von der ersten Reihe vorbei. Jeden einzeln blickte er kurz an. Hinter ihm kamen Rudolf Hess, Goebbels, Goering und mehrere anderen. Aber nur den Führer sah man alles anderen bemerkte man kaum. Immer näher kam er auf mich zu. Jetzt meldete mein Nebenmann, ein Bannführer. Die Tränen standen ihm in den Augen. Ein kurzes Lächeln flog über des Führers Gesicht. Er gab ihm die Hand und dankte ihm. Jetzt stand er vor mir. Einen Augenblick sah er mir in die Augen. Dann ging er schon vorüber. Diesen Augenblick werde ich nie vergessen. Kaum ein Meter vor mit stand er. Lange starrte ich ihm nach, alles um mich vergessend. Noch einmal fuhr er nachher dicht an mir vorbei. Aufrecht stand er im Wagen und grüßte. Noch halb im Taumel verließ ich, fast fortgeschoben das Stadion.

Diese Stunde wird wohl das schönste Erlebnis meiner Jugend bleiben. Ich werde nie vergessen, wie mein Führer an mir vorbeiging und denke noch oft, wie wohl viele andere die das Glück hatten, einmal so nahe ihren Führer zu sehen, an diesen Augenblick zurück."

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Aus einer Tagebuch-Notiz

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