"...daß die Deutschen doch keine solche Barbaren und Frauenschänder sind..."

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Mutter und Tochter dürften wohl die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Deutschen doch keine solche Barbaren und Frauenschänder sind, wie man sie in französischen Zeitungen verschrien hatte.

"Der Wirthin, angeblich Witwe, wurde tot Angst, als sie uns eintreten sah und flüchtete sich hinter das Büffet. Auf Verlangen wurde uns Bier gebracht, und als wir uns anschickten dieses zu bezahlen, wurde sie - die Wirtin - zutraulicher. Durch eine im Haus wohnende elsässische Familie, die jetzt als Dolmetscher fungirte, ließ uns die Wirtin sagen, daß sie alles gerne geben würde, wenn wir nur ihre Tochter verschonten. - Nun, diesem Wunsche konnte entsprochen werden, nur wollten wir die Tochter auch sehen. Zur Essenszeit wurden wir in einen kleinen Saal gewiesen, in welchem uns eine nicht geringe Ueberraschung wiederfuhr; eine Tafel mit 17 Gedecken, bei jedem eine Flasche Rothwein war für uns hergerichtet und die Tochter "Lore" servirte uns. Wir hatten ein wahres Festessen, desgleichen am Abend und dem folgenden Tage. Am zweiten Abend hielten wir eine gemüthliche Unterhaltung mit Gesang; Dahlmer, der irgendwo eine Mundharmonika aufgebracht hatte, machte Musik, und zum Schluß erlaubte sich Jeder mit der "Lore" ein Tänzchen zu machen und deren Mutter sah vergnügt zu. Mutter und Tochter dürften wohl die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Deutschen doch keine solche Barbaren und Frauenschänder sind, wie man sie in französischen Zeitungen verschrien hatte."

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