Sowjetischer Spielfilm "Wenn die Kraniche ziehen" sorgt für Nervenzusammenbruch

Quote

Phantastisch! Verschiedene Menschen können das wohl nicht vertragen, stöhnen hinter mir... Auch Ridi ist vollkommen verstört, bricht mit den Nerven zusammen. Als wir hinausgehen, auf der Straße, weint sie...

[...]Wir beratschlagen, was wir unternehmen sollen. Wollen irgendwo ins Kino. Nur Schnulzen... Etwas Ernstes möchte Ridi nicht sehen, da wir aber nichts anderes finden, entschließen wir uns doch für den russischen Meisterfilm „Wenn die Kraniche ziehen...“. Dieser Film hatte in Cannes einen Preis bekommen, läuft in Berlin schon seit dem Sommer, wird allerort (auch von Luft) überschwenglich gelobt. In einem Tempelhofer Kino soll es den Film noch geben. Wir fahren mit der U-Bahn vor. Aber es stellt sich heraus: das Kino liegt beinahe in Mariendorf. Wir müssen mit der Straßenbahn über das Ullstein-Haus hinausfahren. Modernes Kino, sehr leer. Der russische Film ist außerordentlich gut: Schnitt viel Komposition, Spiel und Fabel, erste Klasse! Das Schicksal eines Mädchens, das im letzten Krieg + ihren Verlobten verliert: er fällt. Dessen Bruder versucht sich ihr zu nähern. Erst da sind doch noch Passagen, eines sowjetrussischen Heldenklischees u.ä. Im Ganzen aber ansprechend. Ein toller Bildwirbel, als der Geliebte im Kriege fällt: was sich in Sekundeneile vor dem Tode noch an Gedanken und Erinnerungen in ihm abspielt... (Hauptdarstellerin sieht doch sehr russisch aus!) Phantastisch! Verschiedene Menschen können das wohl nicht vertragen, stöhnen hinter mir... Auch Ridi ist vollkommen verstört, bricht mit den Nerven zusammen. Als wir hinausgehen, auf der Straße, weint sie: Ich muß ihr versprechen, daß wir uns so etwas nicht mehr ansehen. Sie will das nicht haben, wir hätten genug Dreck im Leben, wir müßten nur etwas Lustiges ansehen... Sie ist vollkommen fertig, sie tut mir leid! Wir sehen uns abend noch in eine Tempelhofer Kneipe, schlendern dann weiter, essen noch Curry-Wurst, gehen zu Fuß erst zum U-Bhf. Tempelhof.[...]

    Comments