Gedicht - Friedensglocken hinter Stacheldraht

"1. Gefangen hinter Stacheldraht

hör ich die Friedensglocken

doch dieser heiß ersehnte Tag

kann Jubel nicht entlocken

Bei jedem neuen Glockenklang

bäumt sich das wunde Herz

und meine Seele ist betrübt

in nie geahnten Schmerz


2. Vorüber ist der schlimme Krieg

vorbei das Todesbangen

das deutsche Volk, es ist besiegt

das deutsche Heer gefangen

Vergeblich war das Ringen

vergeblich allen Mut

umsonst die vielen Opfer

an Leben, Gut und Blut


3. Zerbrochen sind die Städte

Verwüstet ist das Land

nur Trümmer Schutt und Asche

Ruinen schwarz vom Brand.

Das ist die deutsche Heimat

die einst so schön und traut;

Wo man an stolzen Domen

Jahrhunderte gebaut.


4. Zerstört die lieben Heime

getrennt von Weib und Kind

die schwerste aller Sorgen

nicht wissend wo sie sind.

O schweigt ihr Friedenslocken

zu laut ist euer Klang

in mir ist kein Frohlocken

ihr klingt wie Grabgesang.


5. Ich schau hinauf zu den Sternen

sie leuchten in stiller Pracht

der Glockenton in der Ferne

verklingt in der Maiennacht

Die Erd' hüllt sich in Schweigen

mir ists als wenn sich Engel neigen

zu lindern meinen Schmerz


6. Dann falten sich still meine Hände

ich beuge mich still in Geduld,

Herrgott Du kannst alles wenden

vergib uns unsre Schuld."

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