Tübingen 26.05.30
Mein süßer Lumpel!
Verzeihe mir bitte mein Herzelein wenn ich erst heute durch einige nüchterne Worte dir meinen innigsten Dank ausspreche für die Freude die du mir wieder einmal so überraschend
bereitet hast. Als meine Wirtin mir das Paket ans Bett brachte, dachte ich, es wären die üblichen Sachen von daheim und drehte mich noch mal auf die andere Seite; plötzlich sagte meine Hausfrau es kommt gewiss von ihrer späteren Frau von der Dame deren Bild sie hier stehen haben. Nun da habe ich mir aber schnell mit freudigen Erstaunen die Sache angesehen und dieselbe zu entschleiern versucht zunächst habe ich tüchtig geschimpft, du merkst, ich bin sehr ehrlich, da ich nur Papier fühlte. Als ich dann bemerkte dass ich die erste Schicht die Maikäfer schon übersehen hatte, da klärte sich mein (…) wieder auf. Na, drauf habe ich alles schön fertig gemacht für den Nachmittag. als um 4 Uhr der „Dicke“ kam, wollte er sogleich einige Maikäfer verschwinden lassen, die ich alle in Reih und Glied aufgestellt hatte. Seppel und mein Leibfuchs waren die übrigen Gäste. Der Kaffee (…) verflog in der glänzendsten Weise. Der Dicke meinte, es wäre doch eigentlich nicht schön, dass wir in der kurzen Zeit dein Werk verzehrten, womit du doch sicher viel Arbeit gehabt hättest. Das sagte er allerdings erst nachdem er genügend gespeist hatte. Nun mein Lumpelein, verwöhne mich vorerst nicht mehr, sonst komme ich ja auch zu sehr in deine Dankesschuld. So nun muss ich dir gleich etwas Unangenehmes mitteilen. Ich muss es deshalb, da ich dir versprochen habe alles zu berichten. Also Seppel und ich haben vorige Tage an einem Abend mal die die (…) zu Hause gelassen und sind mit einer kleinen Französin ausgegangen. So um 11 Uhr herum machten wir noch eine Kahnfahrt. Und auf derselben geschah es, dass wir uns ein wenig umarmten. Nun stelle dir vor, ein leidenschaftliches Mädchen, das dir sonst völlig gleich ist, nur willst du ein bisschen Abwechslung haben, da kannst du dir vorstellen dass ich nach einer halben Stunde überaus genug hatte und einen solchen Moralischen bekam, dass ich
schnell aufstand und mich an die Ruderbank setzte. Nun müsste Seppel notgedrungen auf meinen alten Platz und nach einer halben Stunde hatte er dasselbe Empfinden wie ich. Des anderen Tages fuhr das Mädel gottlob wieder in ihre Heimat. Und ich habe mal wieder für lange Zeit genug. Die Folge davon war, dass ich zwei Tage später bei einem Tanzabend hier bis 2 Uhr nachts weilte ohne einmal beim Tanzen mitzumachen. So etwas wirkt immer sehr bei mir nach wenn ich eben mein Herzelein nicht habe, ist es alles nichts. Am Freitag in 8 Tagen fahre ich mit meinem Leibfuchs und noch einigen BDSR (?) nach Salzburg. Wir haben für die erste halbe Woche im dortigen Kurhaus Zimmer bestellt und machen etwa bei der dort stattfindenden VDA Tagung mit. Dann fahren wir noch 60 km weiter nach Bad Gemünden, um auch in den richtigen Bergen etwas herumklettern zu können. Solche erfrischende Abwechslung muss ich unbedingt noch mitnehmen, damit ich wenn ich im Herbst nach Münster, um etwas länger es Mielein bei mir haben zu können, ich dann dort auch gut arbeiten kann. Denn dort, mein Kleinchen, muss sich auch unsere Sache entscheiden. Mache ich rechtzeitig mein Examen und merke ich dann ob ich auch später meinen Mann stellen kann, dann werde ich versuchen, dich ganz an mich zu ketten. Fühle ich aber, dass ich nichts tauge und mir soeben Durchschnittsmensch bin, so würde ich mir es als Sünde anrechnen, ein solches Mädel wie du noch länger in der Hoffnung auf ein späteres Zusammensein bei mir zu behalten. Möge es gut gehen, mein Herzelein, denn ich habe dich doch so unsagbar lieb. Dieses Letztere sag du mir das bitte demnächst auch noch mal. Ich weiß zwar, dass du mich wirklich lieb hast und du brauchst es mir ja auch nicht mehr zu sagen, aber wenn du es tun würdest, es klingt doch so unendlich süß und erhaben schön in meiner Seele dann wieder. Ewig währt wahre Liebe, darum gehört dir mein Herz für immer. Ich kann nur einmal lieben in meinem Leben und wenn diese Liebe nicht immer dauerte dann müsste es ja an dem Schönsten was ich in mir besitze, verzweifeln. Dein Erich