Schlimmer als im Krieg?

  • Eine russische Kollegin (Alter 67J.), deren Mutter noch lebt, und sich durch die Rente ihres Mannes so einiges leisten kann, und deren Kinder auch allesamt gut vom Verdienst her aufgestellt sind, hat mich mit folgender Aussage verwirrt:


    "Meine Kinder und Enkel haben es jetzt schlimmer, als es in Russland früher war, und als es im 2. Weltkrieg war. Der ganze Stress mit der Schule und Arbeit und überhaupt die ganzen letzten Jahre, und dann noch Corona. Was für eine furchtbare Zeit für sie."


    Hierzu frage ich mich allerdings- vor allem in Blick auf die interessanten aber schmerzerfüllten Briefe die uns Tacitus aus den Kriegen immer einstellt- ob ihre Mutter ihr entweder nie vom Krieg erzählt hat, oder aber in einer "ruhigeren" Gegend zu der Zeit gelebt hat, oder aber durch gewisse Verhaltensweisen oder Verbindungen Vorteile genoss.

    Aber auch in Russland gab es doch schon ärmlichste Verhältnisse, die sie voll miterlebt hat. Ihre Kinder und Enkelkinder können doch um die Ecke zum Discounter und haben um die (sehr grob geschätzte) 25 Joghurtsorten zur Auswahl.

    Das mit Corona ist doch auch jedem klar- in den Kriegen sind durch Waffengewalt, Gewalt allgemein, durch Selbstmord, Bomben, aber auch durch Typhus und Infektionen bei weitem um ein mehrfaches Leute gestorben als jetzt.

    Wieso solch eine Aussage von ihr?

    Wie hält man die Zeit an: Küssen.

    Wie reist man in der Zeit: Lesen.

    Wie entkommt man der Zeit: Musik.

    Wie fühlt man die Zeit: Schreiben.

    Wie lässt man die Zeit frei: Atmen.

    :)

  • Ich denke das ist immer eine individuelle Frage. Im Krieg gings nicht allen total schlecht. Heute wird auch verklärt, besonders, wenn man den Krieg selbst nicht miterlebt hat. Wer im Krieg Büroarbeit geleistet hat, hat in den späten 40er Jahren mehr gelitten als im Krieg selbst. Es kommt immer drauf an was die einzelne Person für Erfahrungen gemacht hat und für Erfahrungen heute macht.


    Von daher muss das jeder selbst für sich einschätzen. Vergleiche (die gerne verpönt sind) finde ich prinzipiell aber kein Problem. Besonders nicht, wenn man auf Gefahren oder gefährlihe Enwicklungen wenns um Kriegsgefahren, Enrechtungen usw. angeht, auf die man sich zubewegen könnte in der Zukunft.

  • Danke Dir für Deine Antwort :)

    Was meinst Du mit:

    Quote

    ...Wer im Krieg Büroarbeit geleistet hat, hat in den späten 40er Jahren mehr gelitten als im Krieg selbst....

    Wie hält man die Zeit an: Küssen.

    Wie reist man in der Zeit: Lesen.

    Wie entkommt man der Zeit: Musik.

    Wie fühlt man die Zeit: Schreiben.

    Wie lässt man die Zeit frei: Atmen.

    :)

  • Musste grad daran denken zur Zeit oft der Vergleich von Corona mit Krieg kommt, bzw. Corona oft in einem Satz mit dem 2. Weltkrieg genannt wird.


    Eine absolute respekt- und gefühllose Unverfrorenheit den damaligen Leuten gegenüber!


    Gerade wenn man z. B. solches liest:

    Frau mit Kindern Kämpft ab 1945 in Tollnigk in Ostpreußen ums Überleben

    Darum möchte ich hier gerne diesen Titel (vom letzten Jahr, und er stimmt immer noch) bekräftigen:

    Coronakrise unvergleichlich

    Wie hält man die Zeit an: Küssen.

    Wie reist man in der Zeit: Lesen.

    Wie entkommt man der Zeit: Musik.

    Wie fühlt man die Zeit: Schreiben.

    Wie lässt man die Zeit frei: Atmen.

    :)