Rente

Texte aus den Jahren
1960 - 1969



Brief vom 30. Januar 1969 aus Bernkastel-Kues

Eine ältere Dame schreibt einen Brief an eine Freundin in die DDR.

"Ausserdem kann das Leben, wenn man versteht ihm die besten Seiten abzugewinnen, gerade in diesen Jahren, - man denke an die erworbene Weisheit!! - sehr schön sein. Ach, Elli, ich höre sie alle immer sagen, man kann es auch von „Experten“ nachlesen, der alternde Mensch muss möglichst lange seinen Beruf nachgehen können. Denn fällt diese Tätigkeit mal weg, verkümmert er - dabei haben sie sicher die Schrumpfgermanen im Blickfeld gehabt - diese Pfeifen!! Ich meine, wen man über 40 Jahre gearbeitet, gern gearbeitet und viel gearbeitet hat und, jetzt die Hauptsache, immer ohne Unterbrechung seine Beiträge zur Angestelltenversicherung und Arbeitslosenversicherung gezahlt hat ist genug Geld zusammen gekommen, dass man ab 60 Jahre seinen Lebensabend beginnen kann. Die meisten Menschen treten ja schon vor 60, viele vor 65 den Weg in die ewige Jagdgründe an. Das Geschäft macht also immer noch der jeweilige Staat mit seinen Institutionen; egal wie sie sich nennen. Ich langweile mich auf keinen Fall und habe immer etwas zu tun im Hause oder im Garten. Dann ruhe ich auch mal gerne. Ausserdem haben wir Musik, gute Literatur und können wunderschöne Spaziergänge machen. Langeweile? Ich kenne keine. Was also soll all das dumme Geschwätz? Man muss ja aber dem Individuum was erzählen, es glaubt ja nur zu gerne. Jetzt genug der Betrachtungen; es sei genug gefaselt!"