Danzig

Texte aus den Jahren
1946 - 1949



Dokument, Herkunft und Entstehungszeit unbekannt

Ein historisch äußerst interessantes Dokument ist uns zufällig in die Hände gefallen. Eigentlich handelt es sich um ein Arbeitszeugnis aus Gdingen aus dem Jahr 1936. Auf der Rückseite befindet sich ein maschinengeschriebener Text einer Frau, die über die Verhältnisse in Danzig in den 30er Jahren berichtet. Leider ist nicht genau ersichtlich, wann der Text geschrieben wurde. Die Fromulierungen lassen darauf schließen, dass der Text aus der Nachkriegszeit stammt, deshalb die Einsortierung in die Jahre 1946 bis 1949. Leider liegt uns nur diese eine Seite vor, der Text scheint eigentlich länger gewesen zu sein. Das vorliegende Textfragment haben wir hier nahezu vollständig für Sie abgetippt.



"Wahr war, man wollte meinen Vater ermorden, weil er ein deutscher war, weil er in der Marine SA war und weil man eben (so die lieben, netten und selbstlosen Polen) die Danziger gehaßt hat.
So lange ich denken kann und das fing ja schon sehr früh an: habe ich von Polen die im Freistaat lebten oder aus dem Korridor zu Besuch kamen,

"D a n z i g wird eines Tages polnisch sein"

Auch Ilses Schwester, die mit einem Polen verheiratet war, brachte natürlich, wenn sie ihre Eltern in der Stützengasse besuchte, ihre kleine 2 Jhr. alte Tochter mit.

Spielten wir unten Ball, dann kam dieses kleine Ding schon mit den Worten auf uns zu "Danzig bald polnisch" (womit sie leider recht hatte.)

Ich habe mich immer gefragt, warum lernen die nicht zuerst die Begriffe Papa u. Mama (egal ob polnisch oder deutsch) wie unsere Kinder im Freistaat Danzig. Denen wird wohl zuerst gepredigt "Danzig bald polnisch"

Mein Vater war noch in der poln. Firma tätig (warum, d. ist ein weiter Weg) hat mit der Erstellung des poln. Hafens "Gydingen" zu tun. Mein Vater wollte sowieso kündigen, die Anspielungen auf sein Leben, wurden ihm langsam zu viel.

Wen die lieben Polen einen Danziger sahen und sie konnten ihre Handbewegung ausführen (mit dem Handrücken am Hals langfahren, dh.h. Kehle durchschneiden). Fuhren die Polen zum Fest des Meeres durch den Freistaat (weil sie ja noch Zugang zur Ostsee von Ihrem Land hatten, dann hingen sie halb aus den Abteilfenstern machten ihre Bewegung, warfen Flaschen, sobald sie nur einen Danziger sahen, und gröhlten unverhießen uns den Tod "durch kehle durchschneiden".

Und so warfen 4 Arbeiter des poln. Betriebes meinen Vater, ihn ins eisige Wasser eines Hafenbeckens. Überlegten es sich dann, holten ihn wieder raus, ließen ihn so nass gehen und nach Danzig fahren. Tags drauf kam der Brief mit der Geldorferung "Bergungsgeld für 4 Mann, zusätzlich neue Garderobe und einen neuen Kutter" (weil angeblich b.d. Bergung beschädigt).
Kurz nachdem meine Eltern den Brief bekamen, klingelte es - vor der Türe ein vielleicht 15 Jahre alter Junge, der ganz gut Deutsch sprach. Er teilte meinem Vater mit, was sein Großvater beim Angeln gehört hatte. Sofern sie das Geld erhalten hätten, würde mein Vater entgültig ertränkt. So ging die Angelegenheit an den Rechtsanwalt meines Vaters [...]"

Dieses Thema steht im Zusammenhang mit dem Thema "Diskriminierung" (1939-1945)