Parteien

Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

Flugschrift von 1947

Ein interessantes Interview Kurt Müllers
II. Zonenvorsitzende der KPD
Wissenswert für alle ehemaligen Mitglieder der NSDAP






Einem Mitarbeiter der "Hannoversche Volksstimme" gab Kurt Müller, der Spitzenkandidat der KPD, am 23. März 1947 eine Stellungnahme der KPD zu den ehemaligen Mitgliedern der NSDAP.

Frage: "Herr Müller, in der Presse wird die Behauptung aufgestellt, die SED und KPD würden die früheren Mitglieder der Nazipartei decken. Ist es wahr, daß ehemalige Nazis Mitglieder der KPD sind?"

Antwort: "Man will da wieder einmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen und macht viel Geschrei um die Arbeiter, Angestellten, Handwerker und Mittelständler, die einmal Mitglied der NSDAp waren, um von der Tatsache abzulenken, daß die Wehrwirtschaftsführer, Kriegsinteressenten und leitenden Männer des faschistischen Wirtschaftsapparates noch in den Positionen sitzen.
Warum schreibt man nicht darüber, daß Wehrwirtschaftsführer und Leute wie Dinkelbach, Schlange-Schöningen, Sogemeier und wie sie alle heißen mögen, in der Führung der CDU sitzen?
Jawohl, wir decken die kleinen Unbelasteten, weil wir dagegen sind, daß sie büßen sollen für die Großen.

Frage: "Wie steht die KPD zur Wiedereingliederung der ehemaligen Mitglieder der Hitlerpartei in ein normales Leben?"

Antwort: "Wir sind dafür! Durch die Säuberung des Wirtscahfts- und Verwaltungsapparates von den Trägern des Nazismus, durch Enteignung der Kriegsverbrecher schaffen wir dei Voraussetzungen für die Wiedereingliederung der unbelasteten früheren Mitglieder der Hitlerpartei in das normale Leben. Die Hauptschuldigen an unserem Unglück, die Konzern- und Bankherren, die Großgrundbesitzer und Wehrwirtschaftsführer, mit Parteibuch oder ohne, die Hitlers Krieg bis zum Ende unterstützt haben, müssen unnachsichtig bestraft werden. Aber die Kleinen. die soll man endlich in Ruhe lassen."

Frage: "Also dann sollen nach Ihrer Meinung die ehemaligen Mitglieder der NSDAP wieder gleichberechtigte Staatsbüger sein?"

Antwort: "Jawohl, die früheren Anhänger Hitlers, die durch das verhängnisvolle Ergebnis seiner Politik Hab und Gut verloren haben, und die in ihrem falschen Glauben tief erschüttert wurden, sollen gleichberechtigte Staatsbürger werden. Wir sind dafür, daß ihnen das Wahlrecht gegeben wird. Ihnen muß auch die Möglichkeit gegeben werden, sich politisch zu betätigen, und sie sollen auch bei späteren Wahlen die Möglichkeit habe, zu kandidieren.
Vorsaussetzung ist natürlich, daß die leitenden Figuren aus dem Wirtschafts- und Verwaltungsapparat des Dritten Reiches aus den Positionen verschwinden und daß die unbelasteten Mitglieder ernsthaft sich einreihen in den Kampf gegen diese Kriegsverbrecher und für die Demokratisierung Deutschlands."

Frage: "Sind Techniker und Ingenieure, die Pg. waren, nicht den Nazidirektoren und Konzernleitern gleichzustellen?"

Antwort: "Keineswegs. Diejenigen, die Hitler zur Macht brachten, die NSDAP finanzierten, am Hitler-Krieg profitierten und die heute wieder versuchen, ihre alte Konzernmacht neu aufzubauen, diese wenigen müssen beseitigt werden aus der Wirtschaft und Verwaltung. Die Techniker und Ingenieure brauchen wir zum Aufbau einer demokratischen Wirtschaft. Wir wünschen nur eins: daß sie sich einreihen in die Front gegen die Monopolherren und damit beweisen, daß sie einen neuen Weg beschreiten."

Frage: "Noch eine heikle Frage, Herr Müller. Man las in der Zeitung, die KPD nähme auch ehemalige Offiziere auf. Kann denn ein früherer Offizier Mitglied der KPD sein?"

Antwort: "Wenn er keine Verbrechen begangen hat, selbstverständlich, genau wie jeder ehemalige Soldat. Ich kenne eine ganze Reihe von Offizieren, die während des Krieges aktiv den Kampf gegen den Hitlerismus führten, die heute Mitglied der KPD sind. Es gibt auch solche, die erst nach 1945 einen neuen Weg beschritten haben und mit uns gehen."

Frage: "Betrachten Sie die neuen Entnazifizierungsbestimmungen, die eine Kategoriesierung vorsehen, als einen Fortschritt?"

Antwort: "Keineswegs, man soll endlich mit diesem Rummel schluß machen, daß man Tausende von einfachen ehemaligen Pgs. vor die Entnatifizierungsausschüsse schleppt, während die Großen frei ausgehen. Im übrigen: Deutschland soll entnazifizeirt werden und nicht einzelne Personen. Von einer ehemaligen Mitgliedschaft in der NSDAP kann man doch niemanden freisprechen. Daß einer einmal Mitglied war, kann jetzt nicht nachträglich gelöscht werden. Selbstverständlich ist der Prozeß der Säuberung unserer Wirtschaft und Verwaltung zu beschleunigen. Den Gewerkschaften, den Betriebsräten und Belegschaften soll man die Aufgabe übertragen, die Wirtschaft und Verwaltung von den aktiven Förderern der Eroberungspolitik, von den Dinkelbachs, Pönsgens, Schlange-Schöningens, Wehrwirtschaftsführern und leitenden Männern des faschistischen Wirtschafts- und Verwaltungsapparates, ob sie ein Parteimitgliedsbuch der NSDAP hatten oder nicht, zu säubern. An ihre Stelle müssen wirkliche Demokraten treten. Die Betriebe der Kriegsverbrecher müssen enteignet und in die Hände des Volkes übergeben werden. Das ist der Weg, um bei uns zu einer demokratischen Wirtschaft zu kommen.

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