Wunderwaffen

1939 - 1945


Brief vom 12. Juli 1944 aus Brüssel
Ein Soldat schreibt seinen Brüdern.
"Bei Euch beiden kommt leider der Feinddruck immer näher und bei Dir, Oswald, wird man den Kriegslärm bald hören. Es ist bedauerlich, wie es an allen Fronten noch zurückgeht, aber trotz allem dürfen wir den Mut nicht aufgeben, es wird schon einmal wieder für uns besser kommen und wir werden die Handelnden sein. Hier ist ja nun schon über ein Monat die Invasion und man hört täglich, dass dort gewaltig gekämpft wird. Es ist allerhand, was unsere Gegner an Menschen und Material einsetzen und für die Verteidiger in keiner Weise leicht. Eigentlich wartet man auch an anderen Stellen mit weiteren und größeren Landungen, doch scheint es sich bei unserm Gegner verzögert zu haben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben und kommen werden sie nochmals, es frägt sich nur wo. Eines steht fest, hier im Westen wird man noch in diesem Jahr eine Entscheidung erzwingen, darauf sind beide Teile aus. Der Krieg wird hier auf einen Höhepunkt getrieben und was der Gegner hier oft auf kleine Stücke aus der Luft einsetzt ist schon allerhand. Es wird da an nichts gespart, wenn auch der weitaus grösste Teil der Bomben in freies Feld fällt und keinerlei Schaden anrichtet. Bei uns selbst am Ort ist es seit der Invasion fast etwas ruhiger geworden gegenüber den Vortagen, wo es oft ununterbrochen weiterging. Wir setzen uns hier mangels Bunker in unsere Deckungslöcher und ich fühle mich darin wirklich am sichersten.

Der inzwischen erfolgte Einsatz der V-1-Waffe hat bei uns besonders bei Beginn grosse Begeisterung ausgelöst. Wenn der Erfolg nach aussen auch nicht so gewaltig ist, wie ihn viele Leute auf Grund der vorhergegangenen Propaganda erwartet haben, so wollen wir diese fliegenden Bomben in keiner Weise unterschätzen. Wir haben da schon manches gesehen und gehört und wenn von Detonationen von drüben bei uns noch die Fundamente wackeln und die Fensterscheiben klirren, dann sitzt gewiss auch etwas dahinter. Wir freuen uns immer, wenn wir so einen Roboter, der mit einem gewaltigen Tempo und einem Höllenlärm dahinsaust, sehen sei es bei Tage oder bei Nacht. Unsere Wünsche begleiten jeden V 1, der im Soldatenmund schon allerhand nette Namen hat. In der ersten Nacht sind wir jedesmal rausgesaust und haben gestaunt, wie es im nächsten Tag doch schon im Wehrmachtsbericht kam, nachdem doch alles so geheim gehalten war. Wir warten nur noch auf die weiteren Erfolge und den Einsatz neuer und schwererer Waffen. Es muss ermöglicht werden, dass wir denen die Flughäfen und Maschinen vernichten, damit mindestens die Heimat einmal wieder ganz zur Ruhe kommt, und die grosse Bombengefahr beseitigt wird. Alles ist ja gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden, denn eines steht fest, dass es auf die Dauer so nicht weitergehen kann und dass die Rückzüge besonders im Osten auch einmal aufhören müssen. Wir tun unsere Pflicht, jeder an seinem Platz, nun wollen wir weiterhin abwarten in der Überzeugung, dass das Gute auf unserer Seite doch siegen muss.

Lieber Karl ! Besten Dank für Deinen Brief vom 17.6, den ich am 27.6 erhielt. Mit dem Einsatz neuer Waffen glaubst Du gar nicht, was der Gegner alles einsetzt, um die Baustellen zu zerstören und den Betrieb zu hemmen. Keine Tonne Bomben sind ihm da zuviel und wenn sie tausendmal daneben gehen. Aber dennoch wir es schon noch recht werden. Unsere Führung wird im richtigen Moment schon zupacken. Im Geschäft haben sie vor einigen Tagen 19 to. Glasziegel von Dresden ausgeladen und zuvor eine Ladung Glas, eine Menge Arbeit, wo niemand da ist. Bleibe weiterhin gesund und Gott befohlen."

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