Friede / Sieg / Niederlage


Geschichtlicher Hintergrund:

In unzähligen Briefen der Jahre 1939 bis 1945 kann man immer wieder lesen, wie sehr die Soldaten, ihre Angehörigen und auch andere Menschen aus der Bevölkerung auf Frieden hoffen. Für viele sollte dieser natürlich nicht die Folge einer Niederlage sein. Selbst als der Sieg immer aussichtsloser wurde, waren viele Menschen noch zuversichtlich und hofften auf ein erfolgreiches Kriegsende. Einige interessante Textbeispiele möchten wir Ihnen an dieser Stelle vorstellen.


Brief vom 28. Januar 1945 aus Italien

Ein deutscher Soldat, der in Italien stationiert ist, schreibt seiner Frau in den Norden des Reiches. Der Text wurde auf Schreibmaschine getippt.
"Es ist eben sehr schwer in diesen Zeit, aber wir müssen mit allen uns zu gebote stehenden Mitteln und Kräften für den Sieg arbeiten, denn sonst droht uns der sichere Untergang. Es wird bestimmt sehr bald der Tag kommen an dem wir wieder besseren Zeiten entgegen gehen, Und dann können wir wieder ein geregeltes Leben führen und für ein viel besseres und schöneres Deutschland arbeiten."
Brief vom 18. Juni 1943 aus Hamburg
Der gleiche Autor, der den Text vom 18. Juni 1942 geschrieben hat, schreibt noch einmal einen Brief an die gleiche Empfängerin und nimmt Bezug auf den Text bzw. Friedenswunsch des vorherigen Jahres.
"Meine vorjährigen Wünsche zu Ihrem Geburtstage hinsichtlich eines siegreichen Friedens sind bisher leider nicht in Erfüllung gegangen, denn schon wieder steht Ihr Geburtstag wieder in greifbarer Nähe."
Brief vom 17. Dezember 1942 aus Hamburg
Ein Mann schreibt einer guten Freundin Weihnachtsgrüße.
"Liebes Walterchen, ich wünsche Ihnen ein gutes Verleben der bevorstehenden Weihnachtstage und im neuen Jahre viel Glück, vor allem gute Gesundheit und daß uns das neue Jahr einen siegreichen Frieden bringen möge."
Brief vom 18. Juni 1942 aus Hamburg
Ein älterer Herr, der später aufgrund des Bombenterrors in Hamburg verstirbt, schreibt einer Freundin, die er während eines Kuraufenthalts kennengelernt hat und gratuliert ihr zum Geburtstag. Neben den persönlichen Wünschen, unterstreicht er in diesem Text den Wunsch auf einen siegreichen Frieden.
"Mit meinem Dank verbinde ich meine besten Wünsche für Ihr Wohlergehen im neuen Lebensjahr. Möge uns dieses Jahr auch den langersehnten siegreichen Frieden bringen, damit im Wirtschaftsleben wieder normale Verhältnisse eintreten."
Brief vom 12. April 1941
Ein Soldat eines Bau-Battaillons schreibt seiner Familie.
"Schön ist das Ganze ja nicht. Vater sitzt im Kriege und Frau und Kind muß die Wohnung verlassen, um ruhig leben zu können. Hoffentlich hört das alles bald auf. Am 15. bin ich 1 ½ Jahre dabei, und zuerst dachte ich wirklich, in ¼ Jahr wäre die Sache für mich zu Ende. Das Denken sollte man sich abgewöhnen."
Brief vom 2. März 1940
Ein deutscher Soldat schreibt seiner Schwester und gratuliert ihr zum Geburtstag. Leider wissen wir nicht, wo dieser Brief aufgegeben oder empfangen wurde.
"Darum lass den Kopf nicht hängen sondern sei heute recht vergnügt. Auch dieser Krieg nimt sein Ende und hoffentlich recht bald."
Brief vom 17. Juni 1940 aus Hamburg
Ein Mann beglückwünscht einer Freundin zum Geburtstag.
"Ich wünsche Ihnen alles Gute, Gesundheit und Zufriedenheit und daß uns das kommende Jahr den bereits durch den Fall von Paris näherzurückenden Frieden bringen möge. Ein siegreiches Ende des augenblicklichen Krieges wird uns allen eine bessere Zukunft bringen."
Brief vom 17. November 1939 aus München
Eine junge Frau schreibt einer Bekannten. "Doa nobis pacem" heißt "Gib uns deinen Frieden".
"Meine Mutter schrieb mir, dass vor 20 Jahren kaum Frieden war, und sie damals nicht gedacht hätte, dass am meinen 20. Geburtstag wieder Krieg sein würde. Aber so ist es nun eben so. Wir wollen eben immer wieder beten: Dona nobis pacem."
Brief vom 21. Oktober 1939 aus Hamburg
Ein Mann schreibt einer Freundin.
"Man ist froh, wenn man eine ruhige Abendstunde zu fassen hat und dann nehmen einem Zeitung und Radionachrichten auch noch voll in Anspruch. Aber ich bin von jeher Optimist gewesen und bin es auch noch heute, sodaß ich mit einem baldigen Ende des augenblicklichen Zustandes rechne."
Brief vom 19. Oktober 1939 aus München
Zwei junge Frauen schreiben einem Freund.
"So ist das wieder eine Ausgabe mehr. Es ist wirklich zum Verzweifeln. Hoffen wir aber, dass es doch einmal besser wird, wenn nur der Krieg zu Ende wäre, dann wäre man gleich aus dem Volles raus."
Brief vom 17. September 1939 aus Nürnberg
Zwei junge Frauen, so wie wir es heraus gelesen haben handelt es sich um Tänzerinnen, schreiben einem Freund, der gerade als Soldat tätig ist. In diesem Brief sind deutliche Friedenswünsche (trotz erfolgreichen Kriegsverlauf) zu lesen. Dies hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass im Bekanntenkreis Menschen aufgrund des Krieges arbeitslos wurden. Soweit wir es richtig heraus gelesen haben, wurde die Spielbank in Baden-Baden aufgrund des Krieges geschlossen und die Angestellten entlassen. Von daher hat der Friedenswunsch in diesem Fall ganz besondere Gründe. Dass dieser Wunsch groß ist, wird dadurch deutlich, dass die Rückseite des Briefes mit zwei großen Fragezeichen und einer deutlichen Frage versehen wurde. Das untenstehende Zitat wurde vom ersten Fräulein geschrieben, die beiden Fragezeichen stammen vom zweiten Fräulein.
"Und Walter ist leider auch wieder arbeitslos. Nun müssen wir halt sehen wie wir mit unseren Moneten über den Krieg wegkommen und ich hoffe und bete immer für den Frieden. Wir müssen halt tapfer sein. [...] Wie geht es nun eigentlich dir? Kannst du wieder essen? Denkst du, dass der Krieg lange dauen wird? Unsere Wehrmacht leistet ja in Polen ausgezeichnetes und wir sind alle stolz darauf."
"Wann ist der Krieg zu Ende?"

Anmerkung: Ähliche Zitate zu diesem Thema  finden Sie in der Rubrik "Wunderwaffen".