Bombenterror

Texte aus den Jahren
1939 - 1945


AHLEN
Eintrag in einen Lebenspass vom 23. März 1944 aus Ahlen
Eine Mädchen schildert ihre Erlebnisse vom Bombenterror in Ahlen.
"Wir sitzen in Ahlen im Gymnasium. Auf einmal Vollalarm! Alles rennt in den Luftschutzkeller. Da - akute Luftgefahr! Im Keller, in dem rund 600-800 Kinder über 10 Jahren, mit ihren Lehrpersonen zuasmmenhocken, ist es mäuschenstill. Die Kleinsten fangen an schon unruhig hin- und herzurutschen. Einer macht den Vorschlag zu singen. Überall Zustimmung. Einige Minuten später klingen helle Lieder aus dem Luftschutzraum. Da, - plötzlich geht das Licht aus. Jäh verstummen die Lieder. Laute Angstschreie. Ein wildes Durcheinander. Überall Unruhe! Dazwischen Schlag auf Schlag das Krachen und Bersten schwerer Bomben. Ab und zu schießt die schwere Flak eine Salve dazwischen. Aber zuletzt verstummt sie ganz. Nun hört man nur noch das eintönige Brummen der 4 motorigen Bomber und dazwischen Teppich auf Teppich von Bomben schwersten Kahlibers. Wir zitterten am ganzen Körper vor Erregung. Wir dachten, daß jeder Moment das ganze Gymnasium über uns zusammenstürze. Aber für diesmal hatte es gutgegangen. - Vorentwarnung. - Entwarnung. Unser damaliger Direktor, Herr Oberstudiendirektor Dr. Plate kam in unseren Luftschutzraum. Mit seiner etwas heiseren Stimme gebot er Ruhe. - Totenstille. - Mit wenigen Worten erklärte er uns die Lage. Dann ging er wieder. Als wir draußen waren ging jeder auf dem kürzesten Wege nach Hause. Was nun? Ich wußte nicht, was ich machen sollte! Zuerst wollte ich zum Bahnhof. Aber woher gehen? Überall Blindgänger. Ich ging in die Stadt. O, welcher Anblick! Hinter der Brücke stiegen haushohe Stichflammen empor. Noch eine Weile lief ich ziellos umhoer, aber dann kam mir ein Gedanke. Ich lief zu meiner damaligen Freundin Ine Boberg und lieh mir ein Fahrrad. Mit diesem bin ich dann so schnell wie möglich nach Hause gefahren, wo ich schon sehnsüchtig erwartet wurde."
DRESDEN
Brief vom 3. März 1945 aus Dresden
Ein Leutnant schreibt einen Brief und beschreibt darin die Situation in Dresden. Der Brief wurde aufgrund eines Fliegerangriffes kurz unterbrochen und wurde dann mit folgenden Zeilen fortgesetzt.
"In Dresden sieht es nicht gut aus. Die Innenstadt hat schwer gelitten. Auch die Verluste sollen erheblich sein. Es ist auch ein Skandal, daß in einer Millionenstadt keine Luftschutzbunker vorhanden sind. Einfach, weil man meinte, das schöne Dresden wird nicht zerstört. Das ist meiner Meinung nach verbrecherischer Leichtsinn und die Verantwortlichen müßten erschossen werden. Auch in den letzten Tagen ist Dresden wiederholt angegriffen worden. Nun wird wohl nicht viel mehr heil sein."
Tagebucheintrag vom 21.02.1945
Ein junges Fräulein schreibt in ihr Tagebuch. Die genannten Nachnamen haben wir abgekürzt.
"Nun ist der Krieg in voller Grausamkeit auch bis zu uns, in das Herz des Reiches gedrungen. In der Nacht vom 13.2. ist unsere schöne Heimatstadt Dresden mit all seinen herrlichen Kulturstätten ein Ort des Grauens geworden. 3 kurz aufeinanderfolgende Terrorangriffe schufen aus D. ein Ruinenfeld. Die Innenstadt weist kaum noch ein ganzes Haus auf. Auch unsere liebe alte Schule wurde ein Raub der Flammen. Ein Weg durch die Trümmer führte mich an dem Haus meiner lieben Lehrerin Frl. K. vorbei. Wo sonst eine wunderhübsche Villa mich an ein kleines Schlößchen erinnert hatte, hoben jetzt nur noch die ausgebrannten Türme ihre schwarz-grauen Reste zum Himmel. Deshalb hatte mich also meine lange Sorge hierher geführt! Durch freundliche Nachbarsleute erfuhr ich, daß Frl. K. mit ihrer lieben Koleginn Fr. Z. den Weg in Richtung Tolkewitz gewandert waren. Eine glückliche Fügung ließ mich die beiden Damen bei Frl. W. finden. -
Nun wohnt Frl. K. u. Frl. Z. bei uns. Wenn die Umstände nicht so traurig wären, könnte ich sicher sehr glücklich sein."
HAMBURG
Brief vom 20. Oktober 1941 aus Hamburg
Ein junges Fräulein schreibt einen sehnsüchtigen Brief an ihren Freund, der in Frankreich stationiert ist. Darin geht es hauptsächlich um ihre Sehnsüchte und einen Traum aus der letzten Nacht. Der Alltag im Bombenkrieg wird darin dennoch sehr gut aufgezeigt. 
Dieses Zitat finden Sie in der Rubrik Sehnsucht (1939-1945)

MÜNCHEN

Brief vom 19. Juni 1944 aus München
Eine Frau schreibt einer Freundin, die sich außerhalb von München aufhält.
"Mit meiner Gesundheit geht es schon wieder besser Maria. Jetzt darf man sich das nicht leisten weißt Maria ins Bett zu legen und sich richtig auskurieren den schwugs sind diese Biester von Fliegern wieder da und schon mußt runter in Keller da könnte man sich dan noch den letzten Rest holen wen man überhaupt noch raufkomt was Gott sei dank bis jetzt noch der Fall war. O meine Maria du wirst schauen wie diese Biester unsere schöne Stadt zugerichtet haben. Es ist ein Jammer Maria wen man das so mit ansehen muß wie so viele Menschen Ihr Hab und Gut Ihre Wohnung Ihre Lieben Angehöhrigen und überhaupt Ihr schöntes und Bestes auf so gemeine Weise verlieren müssen, von denen die gleich tot sind will ich nicht reden den die habens überstanden. Nicht mal von den Kinderheimen machen sie halt diese Mörderbande. Das ist ja Satansbrut die gehört ausradiert von der Welt"
Brief vom 28. Oktober 1943 aus München
Eine Frau schreibt einer Kollegin und Berichtet von den Folgen der Bombenangriffe, die am 2. Oktober 1943 auf München verübt wurden. Ihr Rundgang ging durch Schwabing. Dieser Brief wurde mit einer Schreibmaschine verfasst.
"Unsere Wohnung ist nun wieder einigermassen zusammengeflickt, auch die Oefen für den Winter gerichtet. Am 2.10. abends um 8 Uhr war ich mit den gröbsten Aufräumungs- und Reinigungsarbeiten im grossen und ganzen fertig; ich wusch mich dann noch gründlich und stieg nach 10 Uhr todmüde in die Federn. Kaum darin heulten die Sirenen. Ich zähneklappernd vor Kälte wieder raus und in die Kleider. Mir schwante gleich nichts Gutes, weil der alarm so früh kam. Kaum war ich angezogen, da ging die Knallerei schon los. Ich hatte Mühe, meine Mutter noch anzuziehen und in den Keller zu bringen. Eine ganze Stunde krachte es an allen Ecken und Enden. Wir dachten alle zusammen im Keller, unsere letzte Stunde sei gekommen, weil es einige Male in nächster Nähe herangepfiffen kam. Mein nächster Gedanke war, nun habe ich mir die ganze Mühe mit der Wohnung wieder umsonst gemacht. Als wir nach einigen Stunden aus dem Keller krochen, konnte ich es im ersten Augenblick gar nicht fassen, dass alles heil und ganz geblieben ist. Scherben hat es nur in einer 2. Stock-Wohnung bei uns gegeben und in den Nachbarhäusern. Was wir noch nie getan hatten nach der Entwarnung, taten wir diesmal, wir gingen anschlissend etwas spazieren, um uns zu beruhigen und Luft zu schnappen. Mit uns ein grosser Teil der Hausinwohner und der Nachbarschaft. Zum Hinlegen und zum Schlafen waren wir alle noch viel zu nervös. Recht weit sind wir nicht gekommen, da sahen wir schon den ersten Brandherd. Auf den Strassen waren Brandbombeneinschläge en masse. In der Bismarckstrasse und weiter unten, dem Max-Gymnasium, zu brannte es lichterloh. Ich zog dann vor, mit meiner Mutter schleunigst wieder heimzuziehen, denn einmal war es sehr schlecht zu gehen auf den Strassen, das können Sie sich ja denken - man konnte in der Finsternis leicht "in etwas" hineintreten, ausserdem wollte ich nicht Gefahr laufen, von den brennenden Häusern etwas aufs Haupt zu bekommen. Helfen konnten wir ja doch nirgends. Am Sonntag machte ich dann einen kleinen Rundgang. Ich bin nicht weit gegangen, aber das, was ich gesehen habe, hat mir so vollständig genügt; am liebsten hätte ich geheult wie ein Schlosshund, so jämmerlich sah unser schönes München aus. Das Gröbste habe ich mir gar nicht angeschaut, bin auch gar nicht neugierig darauf, man macht sich nur noch nervöser dabei. Dieser Angriff hatte sämtliche Stadtviertel getroffen, sogar Bogenhausen, wo es doch bisher überhaupt noch nichts gemacht hat. [...] Wir fragen uns alle, wie soll das weitergehen, wo sollen die vielen Obdachlosen hin, jetzt im Winter, wenn wir noch einige Male so heimgsucht werden."
Brief vom 29. September 1943 aus München
Eine Frau schreibt ihrer Kollegin und Freundin, die sich in dieser Zeit nicht in München aufgehalten hat.
"Auffallend ist nur, daß der jüdische Friedhof bei uns, obwohl er mitten in Trümmen stand, unversehrt geblieben ist. Die Herren kennen genau ihre Ziele!!"
 
SONSTIGE STÄDTE
Brief vom 10. Dezember 1944 aus Oberbaldingen (Heute Stadtteil von Bad Dürrheim)
Eine Frau schreibt einer (wie wir vermuten) Verwandten und berichtet von einem Bomben-Großangriff. Um welche Stadt es sich dabei handelt, können wir nicht sagen. Oberbaldingen ist es offensichtlich nicht, weil die Verfasserin des Textes sich lediglich dort aufhält. Einen Nachnamen haben wir abgekürzt. 
"Nun will ich Euch auch einige Zeilen schreiben, wir haben uns vom Schrecken ein bischen erholt, wie ich erfahren, haben wir einen Großangriff gehabt, es war schrecklich, es ist viel zerstört auch Euer Haus steht nicht mehr, ich hab ja noch nicht geschaut. Ich bin seit 3 Tagen in Oberbaldingen ich habe Angst gehabt unser Haus steht noch nur alle Fenster sind Kaput doch abgedeckt auch K. sein Haus steht noch nur auch beschädigt Else ist auch fort in Bayern mit 4 Kindern, das war eine Schreckensnacht, und seither haben wir Angst, wenn einmal der Krieg rum wär, hast du schon erfahren daß Sie so gehaust haben. Liebe Else ich bin fertig seit den letzten Angriff, wir wollen hoffen daß der Krieg bald ein Ende nimmt."