Zeitgeist



Brief aus den 30er Jahren

Leider fehlt die erste Seite dieses Briefes, sodass wir das Datum und den Ort nicht mehr feststellen können. Trotzdem ist dieser Brief ein gutes Beispiel für den Zeitgeist der 30er Jahre. Eine junge Frau schreibt einen Brief, wahrscheinlich an Verwandte. Am Ende ihres Briefes zeichnet Sie nach dem "Heil Hitler" ein Hakenzeuz, jedoch sehr krakelig und in die falche Richtung zeigend. Ihre (wie wir vermuten) Schwester kommentiert dies entsprechend. Wir bitten um Verständnis, dass wir zwei Nachnamen in diesem Text abgekürzt haben.

"Jetzt war er vier Wochen im Krankenhaus wegen Lungenentzündung. Nun darf er bis Weihnachten kein Sport mehr treiben. Er ist nähmlich H.J.Führer von Konstanz. Der Lehrer von Münstertal erzählte mir. Als sein Schwager nach Konstanz von den Ferien nach Hause kam wurde er mit Musik u. Wimpeln von der H.J. an der Bahn abgeholt. So gern haben die ihn. Er kommt Weihnachten wieder. Denke Dir. Jetzt kenne ich einen neuen. Fritz T. Auf dem Ball vom Liederkranz hat er die ganze Zeit mit mir getanzt. Er frug auch mal nach Dir. Herr D. läßt Dir einen Gruß bestellen. Nun mus ich schließen Maria tressiert immer daß ich jetzt mal endl. Schluss machen soll sonst kommt der Brief nicht mehr fort. Viele Grüße an meine Eltern u. Geschwister. Besonders grußt Dich

Elfriede.

P.s. Meiner Mutter habe ich zu Weihnachten eine Decke aus Seide gehäckelt. Dieselbe Die Ihr auf dem runten Tisch neben dem Ofen habt. Sie soll für unser gutes Zimmer auf den Tisch sein. Ich glaube die passt gut darauf. Für die Mädchen habe ich Taschentücher umhäckelt. Für die Jungen habe ich garnichts. Ich weiß nicht was ich ihnen schenken soll. Vielleicht weißt Du etwas.

Heil Hitler!

[Zeichnung eines krakeligen Hakenkreuzes, nach links zeigend]

Wie ich gesehen kann Elfriede noch nicht einmal richtig das Hakenkreuz machen. Eine Schande

[kleinere Zeichnung eines Hakenkreuzes, nach rechts zeigend]"