Russland

Texte aus den Jahren
1933 - 1938


Hungerbriefe aus der Wolgadeutschen Republik in Russland
Wir sind sehr froh, knapp elf sogenannte "Hungerbriefe" in unserem Archiv lagern zu dürfen. In den Jahren 1932 und 1933 gab es in Russland eine große Hungersnot. Den Briefen liegt ein Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 1991 bei, der Informationen aus der Empfängerfamilie der Hungerbriefe enthält. Die Familie pflegte damals Kontakt zu einer wolgadeutschen Familie, dessen Familienoberhaupt im 1. Weltkrieg kämpfte und in deutscher Kriegsgefangenschaft Arbeit auf einem Bauernhof geleistet hat. Ein Dorflehrer aus der Gegend von Itzehoe hat eine Organisation für die Russlandhilfe gegründet und war Empfänger der uns vorliegenden "Hungerbriefe". Der Inhalt dieser Briefe ist hochinteressant, einerseits wegen des Inhalts, andererseits, weil der Absender die Worte und Sätze so geschrieben hat, wie er sie auch selbst gesprochen hat. Der in Hussenbach lebende Russlanddeutsche hat ab 1934 nicht mehr geschrieben. Zuletzt berichtet er, dass seine Mutter den Hungertod gestorben sei und er für seinen Vater keine Hoffnung mehr hat, er jedoch hofft, dass seine vier Kinder die Hungersnot überleben würden. Hier möchten wir Ihnen zwei Ausschnitte aus zwei dieser Briefe aus dem Jahr 1933 vorstellen.


"...O Mein Lieber Herr Homman wir biten sie denochmal Soschnel es mechlig sei zur Hilfe kommen das ich doch wenichstens meine [...] Kinder Reten kan..."
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"...es jamerte mich meine arme Kinder und mein armes alte Vater es war Tag geworten und die Mutter wuste nicht was sie Kochen solte und alz wir in den Gedanken sasen kam jemand und sachte ir sold Euer paket auf der Postanstold Hollen und das war aber so in mein Herz gefaren das es mir Trenen auspreste O mein lieber Her Homan
 den  Inichchsten dank inen und alle die daran Teil namen an unserer armut und Hofen das ir auch ferner uns nicht fergesen dut [...] den bei uns ist die Ernte witer mis Ernte so das man sich auf Brot
nicht ferlasen brauchte und wen man Keine Hilfe geleistet gricht mus man sich gewis dem Hungertot übergeben wir Ersuchen sie Freindlich das sie uns noch etwas Hilfe leisten werden in Schnelzter Zeit mit Besten Krus..."

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Russland (1939-1945)