Kirche

Texte aus den Jahren
1933 - 1938



Brief vom 12. August 1933 aus Norddeutschland

Ein Pastor schickt einer Familie eine Rechnung bzgl. eines Grabes und erklärt in einem beiliegenden Brief, dass er sich dazu entschlossen hat, sein Amt niederzulegen. Den Namen der Ortschaft haben wir abgekürzt.

"Die sogenannte „Deutschen Christen“, gegen deren Hauptziele ich übrigens nie war und arbeitete, haben es aber hier in N. so arg getrieben und an der Gleichgültigkeit und Unfähigkeit in der Beurteilung kirchlicher und christlicher Fragen und Verhältnisse einen so ergiebigen Bundesgenossen gefunden, daß ich mich namentlich auch unter dem Einfluß der niederträchtigen Rede des Herrn Kultusministers Rust vom 29. Juni entschloß, den Talar auszuziehen und die Gemeinde anderen Händen zu überlassen. Natürlich ist mir dieser Entschluß nicht gerade leicht geworden, wie Sie sich auch denken werden. Ist doch alles, was in N. an kirchlichen Einrichtungen sich findet, unter meiner Mitwirkung entstanden und auch etwas mein Werk! Verlasse ich doch auch viele liebe Menschen und Mitarbeiter... [...] Ich fühlte aber, unter der Arbeit der „deutschen Christen“ das Vertrauen schwinden und manche nach jüngeren Kräften rufen und aussehen, und will da in keiner Weise hindern oder im Wege sein in der Zuversicht, daß Gott schon den rechten Mann an meine Stelle hierher bringen wird, der möglichenfalls in einigen Jahren schon die Kirchengemeinde N. ihre Vollendung entgegenführt und mit neuem Leben in Gott auch erfüllt. Ich will dies von Herzen wünschen und habe nicht etwas die Überzeugung je gehabt, daß ich der rechte Mann hier am rechten Ort, wie ich ja auch s.U. mich nicht um N. beworben habe, sondern nur hierher ging, weil man mich trotz meiner Erklärung, schwerlich der geeignete zu sein, einfach hierher schickte und hierher gehen ließ.

Die Sommermonate waren für uns so auch recht unruhig und bewegt hier. An Reisen u. Urlaub wurde darüber auch nicht gedacht. Auch eine Fahrt zum deutschen Turnfest in Stuttgart, natürlich unter Berührung auch von Frankfurt, wurde deshalb aus dem Sinn geschlagen. Indes sollen hier aus N. doch 20-30 davon teilgenommen [...] haben [...] Möglicherweise sind auch Ihr Enkel und Ihr Enkelin dabei gewesen, wenn sie nicht schon zur Hitler-Jugend übergegangen sind wie auch hier viele!"