Kriegsverlauf

Texte aus den Jahren
1914 - 1918


Brief vom 20. Februar 1918
Ein Soldat schreibt seiner Frau oder geliebten.
"Der russischen Sache ermeße ich kein großes Gewicht zu. Zu allgemeinen großen Kämpfen wird es kaum kommen. Wir werden wohl nun das Grenzland besetzen und das Getreide aus der reichen Ukraine für uns sichern. Vielleicht wird auch durch das eine militärische Eingreifen Trotzki und Lenin gestürzt und vernünftige Menschen kommen ans Ruder. Verlängert wird der Krieg dadurch nicht, eher verkürzt. Ich habe immer noch Hoffnung auf Frieden im Sommer. Aber ohne größere Kämpfe kommt er nicht. Na, unsere Division scheint verschont zu bleiben davon, denn vor unseren Stellungen ist alles überschwemmt Kilometerweit. Na wir werden ja sehen; Ich habe jedenfalls große Hoffnung. -[...] Wenn nur erst der Frieden da wäre, dann wollen wir uns am Kuchen gütlich freun. -"
Brief vom 2. Juni 1915 aus Berlin-Schöneberg
Ein Soldat schreibt einem jungen Fräulein.
"Ein Gefecht vor Nord-Frankreich. Wir kamen am 23.9.14 in N.Frankreich an, geruht bis zum 24.9.14 morgens 4 Uhr gegen 5. Uhr und wir abmarchiert gegen Fransa, ungefähr 30 km marchiert, da wurde ausgeschrärmt vorgegangen, wir waren ungefähr 500.m. gegangen, da hörten wir die Kugel schon pfeifen, aber woher die kamen wusten wir nicht, jetzt kamen wir vor einer Bahnstrecke, aber da kamen Sie geflogen wie Schneeflocken, da haben die Franzosen hinter der Bahnstrecke gelegen, und wir sind vorgelaufen, bis vor die Bahnstrecke, aber ein Franzose haben wir nicht gesehen, nur die Gewehre, den Kopf haben Sie untengelassen, jetzt ging es bei uns von Mund - Mund, Seitengewehre aufpflanzen, und die Franzosen hatten ja keine Anung, und nun ging es zum Sturm, über die Geleise, und die roten Hosen standen paff da, und die Hände in die Höhe gehoben, Sie wurden zusammen gezählt, und wir gingen weiter vor, bis in Fransa, und kaum waren wir in dem Dorf, da bekamen wir Atteriefeuer vor uns, und vom Feind, und zum Glück es wurde bereitst schon dunkel, was unser Glück war, jetzt haben sie die Nacht geruht bis morgen 6.Uhr, und gegen 9.Uhr ging es in geschlossen Rgt. in das Dorf Fuckeckur, genannt toteskur jets wir sahen die französische Atlerie Fahren, und wir waren kaum drin, da kamen die Granaten gesaust, alles lief auseinander, jetzt ging eine Strase ein in das Dorf, da stamt ein Zug von der 6.ten. Comp, da kamen 3. Granaten drin geflogen, und der ganze Zug der Flug wieder eine Mauer, da sah man die Stücke fligen, wir haben hinter einen Gehöf gestanden, vor uns stand ein Pferd mit dem Bursche, da schlug eine Granate unter dem Pferde, und das Pferd mit samt dem Bursche, kam über die Scheum, aber da kam mir durch das Gruseln an, also wir haben auf die Kni gesessen und gebetet, jetzt sagte ich zu meinen Kameraden die neben mir standen, lass uns hinter der Kirsche laufen und dort haben wir gesessen bis abends im dunkel, abends ging es zurück aber wie ich durch das Dorf kam in der Strase durch Fuckoskur, da flies das Blut herunter, also die Verlusten kam ich Ihnen nicht sagen, da lag Bein, Arm, Kopf alles durcheinander. Ich will jetzt schließen."
Brief vom 23. Mai 1915 aus Insterburg
Ein Musketier schreibt einem jungen Fräulein.
"Habe das Paketechen von Ihnen erhalten, was mich sehr freute, die Cigarren schmecken vorzüglich, die beiden Paketchen habe ich nicht mehr bekommen von Ihnen, es freut mich das Sie so an mich denken, und an Ihnen werde ich auch denken, so lange ich noch Leben, und wenn ich nach Hause glücklich kommen sollte, werde ich Ihnen ein Bild von mir schicken zum Andenken, auf der Besserung sind ich, aber mein arm wird wohl steif bleiben, aber ich möchte noch mal gerne nach Apolda kommen, die zwei Stunden wo ich aus war da, hatt es mir sehr gut gefallen da, mein Freund der dort am Fenster gestanden hatt, ist auch verwundet, aber ich weis nicht wo Er drann ist ob er Gefangenschaft ist weis ich auch nicht, aber ich will es nicht hoffen, ich bin nur mal gespannt was Italien macht, aber da möchte ich auch noch gerne meine Wutt drann auslassen, aber Sie werden sich doch den Kopf noch einrennen, aber noch lieber wäre mir wenn der Krieg vorbei wäre, na hoffentlich wird mit Russland bald zu Ende sein, und mit der ganzen Macht nach Frankreich Fahren, denn ist es jetzt schön, im Schützengraben liegen, hier in Russland ist jetzt wieder eine grose Schlacht, da werden wir wohl bald wieder ein grosen Sieg machen, denn unser Feldmarschall Hindenburg! hatt wieder was vor, der drängt die ganze russische Armee auf Augustowe zu, und dann sind Sie in der Falle, wie eine Maus, ich will jetzt schliesen."

Brief vom 7. Januar 1915 aus Hohenaltheim

Ein Mann schreibt seinem Vetter.

"So friedlich wie bei Euch ists allerdings nicht überall an der Front zugegangen. Ludwig schreibt von schweren Sturmangriffen auf den Vogesenhöhen und der 23. Dez. hat uns einen Landsturmmann von hier, einen Pionier, gekostet, der beim Drahtverhhauausbau durch den Bauch geschossen wurde. Unter den deutschen Soldaten scheint das Gerücht verbreitet gewesen zu sein, daß am 24. Dez. ein allgemeiner Durchbruchversuch werden sollte; so erzählt einer, der 3 Tage vor Weihnachten wegen Herzstörungen von Arras zurückkam. Ich hielts gleich für sehr unwahrscheinlich, weil es geradezu wahnsinnig gewesen wäre. Es blieb ja dann auch auf allen Seiten ruhig. Wir warten natürlich in Ungeduld darauf, daß sich endlich wenigstens ein kleinstes Anzeichen bemerkbar mache dafür, daß die Lage der Franz. an einem Punkt wenigstens unhaltbar werde. Aber man sieht immer noch nichts. Gerade jetzt an unserem geradezu scheußlichen Wetter meint mans gar nicht mehr aushalten zu können vor Ungeduld, weil man immer an Eure trostlose Lage in Nässe und Kälte denken muß. Es gießt z.Zt. seit ein paar Tagen, was nur herunter kann. Wie viel besser wäre trocken kälte!"
Brief vom 27. Dezember 1914
Ein Mann schreibt seinem Vetter.
"Die Nachricht von Deiner Versetzung zu einen anderen Zweig der Kriegsarbeit hat mich sehr interessiert. Allerdings bist Du trotzdem in erster Linie geblieben u. damit allen Gefahren unmittelbar ausgesetzt. Ich wünsche nur, daß Ihr mittels Eurer Beleuchtung die Angreifer immer rechtzeitig blendet und aus ihnen für die eigenen Gewehre ein so gutes Zielobjekt macht, das ihnen die Luft zu vielen Angriffen vergeht. Die gestrige Kriegsnachricht von Nienport teilt mit, daß dort die Engländer bei einem durchbruchversuch über 800 Gefangenen in unseren Händen und an 3000 Tote vor unserer Front ließen. Da sieht man, was ein rechtzeitig entdeckter und gut beleuchteter Überfall den Angreifer kosten kann. Außerdem haben seit einiger Zeit die Engl. immer die Mode, mit bataillonsweise umwickelten Schuhen vorzubrechen, um unhörbar zu sein; man fällt aber anscheinend doch nicht auf den Zauber herein. - So gibt es wohl jetzt jeden Tag ernsthafte Schlappen der Franzosen u. Engl., aber es ist doch kein Ende abzusehen; denn so kann man natürlich noch Monate fortmachen, ohne daß einer sich erschöpft. -"
Brief vom 24. November 1914 aus Krumbach
Ein junges Fräulein schreibt ihrem Vetter einen Brief.
"Wir verfolgen eifrig die Berichte über den Krieg aber sehen noch keine Aussicht, daß Ihr bald aus Euren Erdhöhlen heraus dürft. Vielleicht kommen Dir Deine Skikünste im Krieg noch zu statten, denn solche werden eifrig gesucht u. wenn es so fort geht bekommen wir einen strengen Winter."
Brief vom 19. August 1914 aus Danzig-Langfuhr
Eine Frau Schreibt einer Verwandten.
"Sein junger Mann und der Hausdiener sind zum Militär eingezogen. Einige Tage ging es dort hoch her, weil garkein männliches Personal vorhanden war. Jetzt ist Ersatz beschafft und geht alles seinen gewohnten Gang. Ich warte jeden Tag auf Einquartierung. Die jetzige politische Lage bringt doch entsetzlich viel Aufregung, wenn ich die vollgefropften Soldatenzüge sehe, könnte ich immer laut weinen, trotzdem unsere Vaterlandsverteidiger mit einer riesigen Begeisterung ausziehen. Die erste Aufregung ist vorüber, hoffentlich trägt Deutschland den Sieg davon. In den ersten Tagen konntest Du hier für Geld nichts bekommen. Am ersten August kam ich weinend nach Hause, weil ich hundert Mark in der Tasche hatte und kein Brot bekam. Auch dieser Übelstand ist jetzt behoben. Einige Tage war über Danzig der verstärkte Kriegszustand verhängt, mutmaßlich wegen der vielen Spione, diese waren hier in großen Mengen vertreten. Einzelheiten über diese Angelegenheit erfährt man wohl erst nach dem Kriege."

ieses Thema steht im Zusammenhang mit den Themen: Kriegsausbruch und Friede/Sieg/Niederlage.