Kriegsausbruch

Texte aus den Jahren
1914 - 1918


Brief vom 19. August 1914 vermutlich aus Wandsbeck (Poststempel)
Eine Norddeutsche Familie schreibt einen Brief.
"Es ist eine sehr ernste u. schwere Zeit für unser liebes Deutschland, ich hätte nicht gedacht daß ich dieses noch erleben würde. Wird unser Vaterland diese Anprall abhalten? Wir wünschen u. hoffen es alle, die Entscheidung steht doch in letzten Grunde bei Gott und wenn man bedenkt wie groß in den letzten Jahren der Abfall von Gott und seinen Gefolge von Genußsucht, Rohheiten u.s.w. so drängt sich einen doch wohl die bange Frage auf ob es Gott nach seiner Allweisheit nicht für angebracht hält dem deutschen Volk eine Heimsuchung zu Teil werden zu laßen. Wir wollen Gott bitten daß Er uns nicht mehr auferlegt wie wir tragen können. Als Deutsche können wir uns ja freuen über die ungeheure Begeisterung und das gute Gewißen welches wir den anderen Völkern voraus haben."
Brief vom 31. Juli 1914 

Ein Mann schreibt einen Tag vor dem Kriegseintritt des Deutschen Reichs seinen Sohn einen Brief. Am 4. August schreibt er einen anderen Sohn einen weiteren Brief. Die Texte lassen sich leider recht schwer lesen, weil der Autor dieser Zeilen eine eigenwillige Rechtschreibung und Grammatik hatte. Wir schließen natürlich nicht aus, manche Stellen falsch gelesen zu haben. Damals war er noch üblich Doppelkonsonanten nur einmal zu schreiben und diese dann mit einem Strich über dem Buchstaben zu kennzeichnen. Da jedoch dieser Strich nirgends zu finden war, haben wir statt beispielsweise "kommt" wie im Brief zu lesen "komt" geschrieben. Diese Texte sind ein schönes Beispiel dafür, dass nicht alle Menschen mit großer Freude und wehenden Fahnen in den Krieg gezogen sind.

"Was spricht man den neues vom Krieg heist es in einem Lied aber leider wen man nur gar nichts sagen würde bei uns geht es zu ob der Franzos die nächste Woche schon käme und mich ja niemand nichts oder nicht viel aber es sind nur solche Leuth die es recht wär wen es einmal anging vieleicht wen sie ford müßten würden sie anders denken es wäre doch fürchterlich wen dies der letzte Brief wäre wo ich dier schreib es würd doch nicht so komen ich könnte es nichtmehr aushalten ich wüßte nicht was ich anfangen würde wen gleich 3 Söhne hinkomen würden 4 wen der Lorenz da wäre 5 mit dem Alois wier könen nichts machen Gott wierd es Leiten ich hätte noch eine Bitte wen du wilst ich möchte nur noch deine Uhr und Kette von es halten wierde nur noch zum Andenken du bekomst doch Sie gewiß wieder wen Du Sie wieder brauchst wen du noch Geld brauchst so schreibe Vertraue doch recht auf Gott u. bette auch andächtig er ist der Helfer in jeder Noth u. der lieben Mutter Gottes ich auch recht betten Eugin macht nichts daraus er sagt ich bin nicht allein dort u. alle Kugeln treffen nicht u. jedem Krieg verdrinen eine darum nur keine Angst und es ist ja noch nicht entschieden es kan noch gehen wie es will wie es halt sein soll wier könen nichts machen für den Alfon wär es schon noch schlimer er wäre weg von Weib u. Kind fort gehen u. wie viele Tausend Mäner müßt fort darum wünsch ich Tausendmal Glück u. Segen wen es dazu komt so erhalte ich dein aufrichtiger Vater."
Brief vom 4. August 1914
"Ich muß auch wieder einmal die Feder zur Hand nehmen um Dier auch was von Deiner Heimath zu schreiben, aber leider nichts gutes es ist traurig mit anzusehn wie man mit den Leuth umgeht wir haben jetzt keine gute Zeit vor den der Krieg ist wirklich ausgebrochen u. zwar so daß Männer mit 40 Jahr fort müßen jungen arg viel bis auf 16 meine Söhne Deine Brüder stehen schon im Gefecht alle 3. Eugin, Franz u. Alfon jetzt was sagt Du Der zu im alter Man wie ich bin der gar nimand hat wo er eine Hilfe haben solle ich glaube ich hätte schon genug durch gemacht du kannst gar nicht glauben wie es mier ist ich kann nicht anders als Bethen u. Weinen mier ist so schwer wen es recht wär aber man soll es nicht thun so würde ich das Gewehr selber benuzen für mich es gibt eine allgemeine Weld Krieg alles komt hintereinander Rußland Serbien u. Frankreich gegen Deutschland der Krieg ist erstanden wegen Attentater der hat das junge Kaißerbar ermortet beide erschoßen das Kaiserzar ist Wien Österreich u. der Attent Mörder hat es eingestanden in der Untersuchung das der Rußischer gfehlshaber in das geheißen habe da komt der Krieg Frankreich ist das schon recht der hätte schon länger über Deutschland herfallen wollen mit an 66. u. 70. Das kostet grausem Leuth Rußland Frankreich Serbien sie die stelten viel mehr Leuth als Deutschland aber Kriegsführung sei nichts gut jetzt woll sehn wie es geht jetzt ist der Augusta vor der Thür u. die junge Leuth müßet fort zum theil viel Männer auch alles ist gspert nicht läß man rein u. naus und wen das Feindvolk noch her käm was würde man doch dan anfangen beim Götte. Bei meinen Bruder du mütze auch fort u. dein Kamerad im Könenberg ist auch schon fort bis der Brief rein komt wird sich viel änder."

ieses Thema steht im Zusammenhang mit den Themen: Friede/Sieg/Niederlage und Kriegsverlauf.