Zweiter Burenkrieg

Texte aus den Jahren
1870 - 1899


Geschichtlicher Hintergrund:

Bereits in den Jahren 1880 und 1881 gab es einen so genannten Burenkrieg, den Großbritannien in Südafrika ausgetragen hat. In den Jahren 1899 bis 1902 kam es zu einem zweiten, äußerst blutigen Burenkrieg. Ein großes Diamant- und Goldvorkommen sorgte dafür, dass die Engländer den Buren ihre Unabhängigkeit ein zweites Mal streitig machen wollten. Ihnen stand unter anderem Paulus "Ohm" Krüger gegenüber, der deutschstämmige und anti-britisch eingestellte Präsident der Südafrikanischen Republik. Der deutsche Präsident und die Ungerechtigkeit, die den Buren von den Briten entgegengebracht wurde, sorgten dafür, dass sich in Deutschland eine große Sympathie für die Buren entwickelte. Aber auch viele andere Länder auf der Welt standen auf der Seite der Buren. So kam es fast zu einen großen Krieg. Es stand im Raum, dass Frankreich, Russland und das Deutsche Reich an der Seite der Buren zu Felde ziehen, was jedoch an Deutschland scheiterte. Stattdessen gab es deutsche Offiziere, die sich am Freiheitskampf der Buren beteiligten. Dass diese im eigenen Interesse handelten und nicht im Auftrag des Deutschen Reiches, belegt ein Briefwechsel aus unserem Archiv, den wir Ihnen in dieser Rubrik erläutern.

Brief vom 26. November 1899 aus Trier nach Neapel
Ein Mann schreibt seinem Bruder einen Brief und bittet ihn um den Gefallen, einen Offizieren bei sich aufzunehmen, der kurz davor steht, nach Afrika abzufahren, um an dem Kampf gegen die Engländer teilzunehmen. Am 1. Dezember verfasst der Mann ein Telegramm sowie einen weiteren Brief und klärt den Emfpänger des Textes über die neuen Umstände auf: In den deutschen Medien wurde bekannt, dass der Offizier nach Afrika reisen möchte, um an der Seite der Buren zu kämpfen, ohne Urlaub zu haben oder verabschiedet worden zu sein. Um keine Spannungen mit England aufkommen zu lassen, kann der Offizier sein Vorhaben in dieser Form nicht umsetzen. Damit er nicht als Deserteur verurteilt wird, muss er auf schnellstem Weg zurück nach Preußen, um die Angelegenheit zu klären.
Leider sind im Telegramm und vermehrt im zweiten Brief viele Stellen schwer leserlich, sodass wir im Telegramm zwei Worte, die wir nicht entziffern konnten, mit einem [?] ersetzt und im zweiten Brief uns lediglich auf die Kernaussagen konzentriert haben, die wir einwandfrei lesen konnten. Die Lücken wurden mit [...] gekennzeichnet. Einzelne Worte, die wir nicht entziffern konnten, wurden ebenfalls durch ein [?] ersetzt. Worte bei denen wir unsicher sind, ob wir sie richtig entziffert haben, werden weiterhin mit (?) markiert.
"Gestern ist einer unserer tüchtigsten u. begabtesten Offiziere, ein durchweg hochgeschätzter Kamerad, Ober-Leutnant Weidner, war hier abgereist, um sich am 5. Dezember in Neapel auf einen Ost Afrika Dampfer einzuschiffen zwecks Betheiligung am Kampfe der Buren gegen die Engländer. - Aus Begeisterung für die heldenmuthigen Freiheitskampf hat er eine ihm ziemlich sichere hervorragende Carriere aufgegeben, seinen Abschied genommen u. setzt seine ganze Existenz ein für die edle Sache eines vergewaltigten Volkes. - Wir Kameraden haben sämtlich seinem Entschluß höchste Hochachtung gezollt. - Derselbe wird sich noch einige Tage in Ober Italien aufhalten u. so am 1. oder 2. Dezember in Neapel eintreffen, dort noch einige Tage verleben. - Ich möchte Dich bitten, Dich seiner anzunehmen. Er ist ein sehr netter, bescheidener, aber durchaus gediegener Mensch, an dem Du Deine Freude haben wirst. Ich wäre Dir sehr dankbar dafür, wenn Du ihm einige glückliche Stunden verschaffen würdest, ehe er Europa verläßt u. einer ungewissen Zukunft entgegengeht. Er wird es Dir auch nie vergessen. Ich habe ihm Deine Adresse gegeben u. ihm gesagt, er solle Dir von Rom aus eine Karte schreiben.-
 Unsere Theilnahme am Schicksale der Buren wird dadurch eine noch lebendiger. Hoffentlich obsiegen sie! - Jedenfalls muß man ihre seitherigen Leistungen bewundern,. -"
Telegramm vom 1. Dezember 1899
"Der von mir [?] herr muss sofort hierher zurueckkehren um allergroessten unannehmalichkeiten fuer ihn und andere zu entgehen die jetzt noch abwendbar [?] nach entscheidung die unter allen umstaenden abgewartet werden muss immer noch moeglich wenn jetzt abfahrt versucht wird verhaftung auf deutschem schiff, wahrscheinlich sofort antwort ob und wann hier eintrifft geheimhaltung dringend noetig Fritz"
Brief vom 1. Dezember 1899
"Lieber Bruder! Zur Erklärung heutigen Telegramms Folgendes: Ehe d. Kaiser nach England fuhr, entließ er einen harten [?], er wünscht nicht, daß [?] oder Offiziere d. [?] nach Transvaal [?], damit die Neutralität England gegenüber voll gewahrt werde. - Weidner's Absicht, zu den Buren zu gehen, steht dieser Order direkt entgegen. Es wäre also strengstes stillschweigen  vonnöthen gewesen! Leider ist dies nicht gemacht worden, denn zuerst in Trierer Generalanzeiger, dann in einer Menge anderer Zeitungen stand diese Tage die Nachricht: Ober Lt. Weidner / mit Namen / vom Rgt v. Horn hat einen 1 jährigen Urlaub erbeten u. erhalten, um den Krieg auf Seite d. Buren mitzumachen; derselbe ist bereits nach d. Kriegsschauplatz abgereist.“ [...] Das Rgt hat die Zeitungen auf Grund d. Preßgesetzes (?) aufgefordert, ungesäumt die nachricht zu widerrufen. [...] ist es also durchaus nöthig, daß W. sofort hierher oder auf direkten [?] [?], bis der Abshied bewilligt ist. Kann das Rgt sagen: Ob Lt. W. hat seinen Abschied erbeten zwecks Auswanderung, um sich vorher eine Existenz zu gründen u. hat derzeit 4 Wochen Urlaub zur Einleitung des Nöthigen, befindet sich z.Z. da oder da, so ist die Sache in Ordnung u. d. Abschied wird wohl nicht versagt werden. Wird aber bekannt, daß W., ohne seinen Abschied abzuwarten, sich bereits auf die Reise gemacht hat, also als Preußischer Offizier auf d. Wege nach Transvaal ist, ohne Urlaub zu haben oder verabschiedet zu sein ist es sehr gewiß, daß d. Abschied nicht bewilligt, sondern W. als Deserteur gehandelt od. falls er sich auf dem deutschen Schiff Wörrmann – also auf deutschem Grund u Boden befindet, verhaftet [...] wird. - Es wäre doch äußerst unklug, ja gewissenlos gegen Familie, Regiment, Kameraden u Vorgesetzte, es dazu kommen zu lassen. Alle mitwissenden Vorgesetzte u. Kameraden kommen in eine üble Lage. Das Klügste ist er kommt zurück, wartet die Entscheidung auf sein Gesuch, dann kann er machen, was er will. [...] gestern Abend sofort ein Kamerad d. Regts, Ob Lt. Linderk, dorthin abgefahren, um ihn zurückzuholen. Falls er ihn dort nicht trifft, reist er ihm nach Neapel nach. Bitte dann diesen sehr netten Kameraden auch gut aufnehmen! - Sollte also W. schon vorher dort ankommen, so rede ihm zu [...] Das bereits bestellte Billet nach [?] wird er unter [?] der [?] vor 100 Mark springen lassen müssen. Fährt er später doch, so wird er ihnen zu sicher angerechnet. - Krankheitshalber, aus Familiengründen wird wohl häufiger eine bestellte Fahrt aufgegeben. Du wirst ihn ja auch behülflich sein können. - [...] behandle die ganze Angelegenheit überhaupt als Geheimniß, sondere etwaige Mitwissende zur strengste Diskretion auf, namentlich bekannten gegenüber (?) in Deutschland. Der deutsche Konsul wird hoffentlich nichts erfahren haben, oder es ignorieren [...] Herzlichst Ftratello Fritz"