Sozialdemokratie

1870 - 1899


Geschichtlicher Hintergrund:

Anders als es in der heutigen Zeit der Fall ist, waren die Sozialdemokraten im 19. Jahrhundert bei vielen Menschen verpönt. Dies ist nicht nur mit dem damaligen Zeitgeist der Bevölkerung und der Machthaber zu erklären, sondern auch damit, dass die Sozialdemokraten zu dieser Zeit noch dem Kommunismus sehr nahe standen. In dieser Rubrik möchten wir einige zeitgenössische Zitate vorstellen, die den Umgang mit der Sozialdemokratie und die allgemeine Meinung dazu gut verdeutlichen.

Brief vom 29. Dezember 1899
Ein Mann schreibt einem Freund und berichtet über die Probleme eines weiteren Freundes.
"Bekäm er nur s. ältesten faulen Hauptmann los, es wäre alles besser, da dessen Beispiel natürlich viel verdirbt, u. dessen Compagnie noch gerade eine wahre Sozialdemokratische Bande unter seiner Lotterwirtschaft wurde, die Fritz viel Kummer macht, u. aus der allein alle Beschwerden kommen. Daß der Oberst geradezu freundschaftlich zu Fritz hält ist viel wert, u. was er thun kann, das thut er."
Brief vom 11. Februar 1885 aus den U.S.A.
Ein junger Mann schreibt seinen Eltern einen Brief aus Amerika. Scheinbar haben sie in einem Brief zuvor den Verdacht oder die Befürchtung geäußert, dass ihr Sohn zum Sozialdemokraten werden könnte. Dies hat ihn so sehr erschüttert, dass er dies direkt innerhalb von drei Briefen immer wieder klarstellen wollte. Diese Wiederholung der Klarstellung ist auch damit zu begründen, dass es nicht sicher war, ob die Briefe damals ihr Ziel erreichten. Interessant ist auch, dass der Mann in späteren Briefen seine Abscheu gegen Monarchie und Militär ausdrückt.
"Ihr könnt gewiß sein daß ich kein Sozialdemokrate od. Anarchist bin noch sein werde, denn um an solchen Unsinn zu glauben bin ich nicht Phantast genug das wißt Ihr auch schon."
Brief vom 10. März 1885
"Ihr habt mich zur Socialdemocratie ect gewarnt, ich kann Euch darüber beruhigen denn ich habe Einsicht genug nur an solchem Zeug mir den Magen nicht zu verderben."
Brief vom 3. April 1885
"In einem Eurer Briefe schriebt Ihr mir von Socialdemokratie ect. doch ich hoffe Ihr traut Euren Sohn wohl zu Verstand u. Erfahrung genug zu haben um an solchen bodenlosen Schwindeleien sich den Magen nicht zu verderben; Ich habe zu viel Achtung vor meinen Vorfahren um dem Namen durch solcherlei Unsin zu schänden."