Krieg

Texte über Kriegsvorahnungen, Kriegswünsche
oder Kriegsbefürchtungen aus den Jahren
1870 - 1899


Geschichtlicher Hintergrund:

In Bezug auf Frankreich: Der Ausgang des Deutsch-Französischen Krieges der Jahre 1870 und 1871 ermöglichte die Gründung des Deutschen Reiches. Frankreich musste als Verlierer und - nach einer Provokations Bismarcks - Beginner des Krieges die zumeist deutsch besidelten Gebiete Elsaß und Lothringen an das Deutsche Reich abgeben. Hinzu kamen diverse Zahlungen, die Frankreich zu leisten hatte. Neben den in dieser Zeit legitimen Gebietsabtretungen und Zahlungen war die Tatsache, dass das Deutsche Reich in Versailles ausgerufen wurde, etwas, was den Stolz der Franzosen sehr getroffen hat. Aus diesem Grund gab es in der Friedeszeit bis zum Ersten Weltkrieg immer wieder Befürchtungeun bzw. Vorahnungen, dass es bald zu einen neuen Krieg kommen könnte. Diese Befürchtungen wurde auch von Seiten der Presse genährt. Wie man z.B. in der Rubrik "Sedantag" nachlesen kann, waren diese Spannungen wohl bekannt, sodass man versucht hat, keine unnötigen Spannungen mit Frankreich aufzubauen. Aus diesem Grund wurde der Sedantag, der in der Kaiserzeit ein Feiertag im Deutschen Reich war, in den zum Teil auch französisch bevölkerten Gebieten Elsaß und Lothringen nicht ausschweifend gefeiert. Trotzdem war der Begriff "Erbfeind" allgegenwärtig und die Angst vor einem neuen Krieg gegen Frankreich weit verbreitet.

Brief vom 5. Februar 1887 aus den U.S.A.
Ein junger Mann schreibt aus Amerika seinen Eltern. In mehreren Briefen kommt er über zwei Jahre hinewg immer wieder auf Kriegsgehetze und einen drohenden Krieg zu sprechen.
"Man hört hier sehr viel von Krieg reden der in Europa los gehen soll aber ich glaube nicht daran solange der alte Wilh. lebt."
Brief vom 2. Oktober 1887
"Die hiesigen Zeitungen enthalten viel von Unruhen zwischen Deutschland u. Frankreich, jedoch ich denke es ist so ziemlich alles Wind."
Brief vom 1. Juni 1888
"Hier in den Zeitungen wird viel über Kriegsaussichten in Europa gedruckt aber hoffentlich bleibt Euch der Friede erhalten. Nun denke ich habe ich genug geschmiert."
Brief vom 26. Juni 1888
"Hoffentlich gibt es unter Wilhelm II keinen Krieg obschon man hierzu Lande die Zeitungen damit vollfüllt d.h. mit Kriegsgeschrei."
Brief, zeitlich nicht klar zuzuordnen
Folgender Text stammt aus einem Brief ohne Datum. Der Text muss nach dem 15. Juni 1888 verfasst worden sein, weil Kaiser Wilhelm II. erwähnt wird. Ein Wort, welches wir nicht richtig lesen konnten, wurde mit einem (?) gekennzeichnet.  Das Wort "ander" war so geschrieben, es muß wohl "anderen" heißen. Das letzte Wort sollte ursprünglich vielleicht "denke" heißen, "danke" wäre in Bezug auf Kaiser Wilhelm ggf. dann doch noch korrekt. Der Bruder des Verfassers heißt ebenfalls Wilhelm. Ob die erwähnte "Bruderliebe" auf ihn bezogen ist, kann nicht gesagt werden. Die Tatsache, dass "Wilh. II" mit einem Gänsefüßchen am Anfang gekennzeichnet ist, läßt uns vermuten, dass der Verfasser ggf. auf den Geburtstag seines Bruders anspielt.
"Die Kriegsgefahr ist ja wieder gag (?) beseitigt  u. ich habe hier auch mit 2 ander deutschen (einjähriger) Kaisergeburtstag bei einen Fäßchen Bier gefeiert u. wir gedenken morgen "Wilh. II auch hoch leben zu laßen. Der Brief kommt allerdings nach Wilh. II Geburtstag an, nichtsdestoweniger gesgt es daß ich mir in treuer Bruderliebe seiner danke."