Gedichte

Texte aus den Jahren
1870 - 1899


Brief vom 27. Juni 1899 aus Hamburg
Ein Mann schreibt einem jungen Fräulein.
"All' Abend, bevor ich zur Ruhe geh'
Blick' ich hinaus in die Nacht,
Und wenn ich ein helles Sternlein dann seh,
das  leuchtend am Himmel noch weht,
da denk ich an Dein Blauäugelein
diese klar wie die Sterne wohl sind,
Und ich rufe aus der ferne dann:
„Gute Nacht!“ du, mein herziges Kind!“
Gedicht vom 10. Juni 1888
Ein Mann schreibt seiner Frau zum Geburtstag ein Gedicht. Einen Auszug aus diesem Gedicht, passend zum Thema "Dreikaiserjahr", möchten wir nicht vorenthalten. Nur fünf Tage nachdem dieses Gedicht verfasst wurde, Starb der damalige Kaiser Friedrich III. 
"Ferner noch, mein lieber Schatz
Gönne diesen Bildchen Platz
Die sich hier bei Dir einführen
Werden auch Dein Tischchen zieren
Uns're lieben beiden Kaiser
An den Rähmchen Rosenreiser
Und die beiden Weltbezwinger
Dennoch unsr'e Friedenbringer
O die werden Dich ergötzen
Wirst Du Dich ans Tischchen setzen
Werden Dir so vieles sagen
Von den Krieg und Friedenstagen
Und wenn diese Dich erfreun
Wird's auch große Freude sein“
Brief vom 24.12.1887 aus den U.S.A.
Ein junger Mann schreibt seinen Eltern nach Deutschland.
"Es war am Weihnachtsabend, in Erinnerung versunken saß ich in meinem kleinen Kämmerlein
Und dacht' zurück an meiner Kindheit Jahre, an meinen Glauben an das Christkindlein
Mir war als hörte ich das Glöcklein tönen, daß nur, die Kinder zur Bescheerung rief
Als voll Erwartung unser Herzen Klopften, wenn jedes schnell nach seinem Tischchen lief.
Ich sah in meiner Eltern Augen Thränen glänzen der Friede über ihrer Kinder Glück
Als die voll Lust von Lichterbaum umtanzten, mit ganz verklärten und entzückten Blick
Ich saß und dachte bis die hellen Thränen mir selber in die Augen standen
Die Zeiten sind vorüber die jetz'ge Weihnacht verbring ich einsam hier im fernen Lande
doch Hoffnung siegt mit Muth und Gottvertraun will ich der Zukunft froh entgegen gehn
Mein Herze sagt mir leise daß in Künft'gen Tagen ich doch die Heimath werde wiedersehn.
Das waren die Gedanken Eures Sohnes Carl am Weihanchtsabend 1887“