Deutsch-Französischer-Krieg

Texte aus den Jahren
1870 - 1899


Zu diesem Thema lagern insgesamt 144 Briefe und 14 Tagebücher in unserem Archiv.

Brief vom 1. April 1872 aus Tübingen

Ein Mann schreibt seinem Schwager. Im Krieg gegen Frankreich hat er zwei Söhne verloren. Der zweite Sohn verstarb nur zwei Tage, bevor dieser Text verfasst wurde. Er hatte eine Kugel im Kopf stecken, die man nicht wieder entfernen konnte. Uns liegen weitere Briefe und Zeitungsausschnitte zu diesem Schicksal vor.

"Zwei Söhne dem Vaterland opfern zu müßen, das ist viel. Und dennoch sei es fern von mir, mich zu beklagen, das Vaterland steht groß u. meine Söhne sind seine Helden. Das Schicksal hat es so gewollt, daß der eine Sohn sofort sein Ende stand, der andere erst nach längerer Zeit, wohl körperlich leidend, doch geistig ungetrübt."

Brief vom 7. März 1871 aus Melsungen
Eine Frau schreibt einer Verwandten einen Brief.
"Im vorigen Briefe versprach ich Dir die Feier über den Empfang der Friedensnachricht mitzutheilen. Dieses allesnun beschreiben zu wollen, würde zu viel Raum wegnehmen deshalb übersende ich Dir hier ein Beiblatt vom Wochenblättchen. Ja so schön so feierlich soll es noch nie hier gewesen sein, nicht ein Haus war, wo nicht illuminiert gewesen wäre, u dann das Geläufe, das unaufhörliche schießen, der Gesang, u. diese bunten Laternen [...] ja Du machst Dir keinen Begriff davon, wie schön wie feierlich dieser Abend war. Die Großmutter u ich gingen zu Roßbachs am Markt, wo wir alles genau sehen konnten. Ist es doch als wäre seit dem Tage ein ganz anderer Muth in die Menschen gekommen ja ich habe mir sogar vorgenommen, wenn es meine Gesundheit erlaubt, Dich, als auch Onkel und Tante dort zu besuchen, nur für den Monat März werde ichs noch verschieben müssen, denn alle rathen mir ab, im März zu reisen, darum geduldige Dich noch ein Weilchen, ich komme, so Gott will, mal ganz unverhofft."

Dem Brief lag das "Extra - Blatt zum Melsungener Wochenblatt." vom Donnerstag, den 2. März 1871 bei.

Wenn Sie auf das Foto oder direkt hier klicken, können Sie sich die Inhalte des Extra-Blattes komplett durchlesen.

Brief vom 15. Februar 1871 aus Basel
Ein junge Frau, die ursprünglich aus Braunschweig stammt, schreibt einen Brief an ihre Eltern. Dieses Dokument zeigt, dass es ressentiments gegen Bundesdeutsche bzw. Reichsdeutsche in der Schweiz eine lange Tradition haben.

"In der Schule sagte ein Kind als es Elsbathli Becker zum erstenmal in schwarz sah: „Es ist gut, so ist doch auch n ditscher weniger." So erbt die Rohheit d. Ältern auf die Kinder u. wächst üppiger als das Gute. Ich kann nicht sagen wie mich das alles verstimmt u. betrübt, die Schweiz hätte das (Obiges ist ein Abklatsch der ächten Stimmung) nicht nöthig u. den tieferen Grund davon kann ich nicht erkennen. Vielleicht Neid. Jetzt hab ich dir aber genug vorgejammert u. das schickt sich gar nicht in einem Geburtstagsbf. Unsere Hauptstimmung ist das auch nicht, sondern Stolz u. Freude. Das wollen wir auch heute unsere Ulahnen sagen."