Revolution

Texte aus den Jahren
1848 - 1865


Zu diesem Thema lagern insgesamt 16 Briefe und 4 Tagebücher in unserem Archiv.


Brief vom 25. September 1848

Eine Frau schreibt ihren Sohn zwei Briefe und schildert darin ihre Erlebnisse von der Septemberrevolution in Frankfurt. Nachdem sie im ersten Brief nur kurz darauf eingeht, schließt sich im zweiten Brief noch einmal direkt an der Erzählung an und fährt fort... Bei den Worten "6erley" und "Ränzele" sind wir uns nicht ganz sicher, ob wir sie richtig entziffert haben.
"...wo er am Nachmittag mit ihnen auf die Pfingstweide gegangen war, wo bey einer großen Volksversammlung Reden gehalten wurden die schauderhaft waren u. gleich voraus zu sehen, daß darauf der Pöbel eingehe u. Unruhe anstiften werde."
Brief vom 2. Oktober 1848
"Am Montag früh hörte man sehr bald, daß der Andrang vom Pöbel beim Eingang in die Paulskirche so groß sey daß das Militair welches diese besezt hielt sie nicht würde beschüzen können ohne militairische Gewalt anzuwenden, u somit ging der Trödel los, das Volk strömte sogleich in die Straßen die am belebtesten waren, u. errichteten Barricaden [...] Man hatte gefürchtet das Volk würde plündern, dem war aber nicht so, sie hatten selbst an alle geschloßenen Läden mit Kreide angeschrieben: Heilig ist das Eigenthum od: Tod. Die Eisenbahn brachte sehr schnell von allen Seiten Militair herbey so daß in kurzen 6erley deßelben in Frankfurt war, was recht interessant zu sehen war. Gegen Abend wurde Waffenstillstand, allein in der 10 Stunde ging das Kartätschen Feuer los, wo einem doch anfing sehr bang zu werden, es verstummte aber sehr bald, denn nun mußte das Volk der Uebermacht weichen. Am Dienstag war es dann soweit wieder ruhig, so daß ich mit Eduard vom Vormittag aus ging nur den Ueberrest, der Barricaden angesehen, so wie auch das auf den Straßen campirende Militair, was dir gewiß recht interessant zu sehen gewesen wäre, es war zieml. kalt, u. so saßen sie um die Wachtfeuer herum u. lagen auf der Straße auf ihren Ränzele u. Stroh die Oestereicher sangen recht schön böhmisch was gut klang. Viele der Häuser unter anderen die schöne Löwen Apotheke, waren tüchtig zerschoßen. Wir wollten am Nachmittag mit Eliese welche bey uns geblieben war heraus zu den Eltern in Garten gehen, die Soldaten wollten uns auch zu de gesperrten Thoren heraus laßen erklärten uns aber herein könnten wir nicht wieder, ohne eine Charta vom Obersten, E. wollte sie haben bekam aber zu der Zeit wo wir dieselbe gebrauchen konnten keine, u. so mußten wir in der Stadt bleiben. Den anderen Tag am Mitwoch war wieder an den Thoren alles offen aber sehr stark besezt."
Brief vom 15. März 1848 aus Pest
Ein deutscher Kaufmann schreibt einen Brief an seine Frau in die Heimat und beschreibt darin, wie er die Revolution in Pest (heute Budapest) erlebt hat. In einem weiteren Brief, der in unserem Archiv zu finden ist, geht der Autor noch einmal auf das Thema ein.
"Ich bin Sonntag Abend 9 Uhr mit dem Dampfschiffe hier angelangt u wir waren 100 Personen an Bord so daß man sich kaum rühren konnte. - In der Königin von England wie immer wohnend ist es zwar jetzt leer; dafür sind aber die Unterhaltungen im Speisesaal um so lebhafter und die gestern Abend mit dem Dampfschiff aus Wien erhaltenen Nachrichten der dort stattgefundenen Unruhen riefen einen wahren Enthusiasmus hervor. Man brachte Champagner, trank die Gesundheit der Deutschen u Ungarn, ließ die Reform hoch leben u stieß mit allen Anwesenden an. Den Russen wurde ein Pereat gebracht und auf die Einigkeit u Bruderliebe der Deutschen u Ungarn getrunken. -
Erst um 1 Uhr ging man zu Bette. Ich bin nun neugierig, welche weitere Nachrichten aus Wien eingehen werden, gestern kamen aber weder Briefe noch Zeitungen an u auch heute zweifelt man daran. -"
Tagebucheintrag vom 22. Februar 1848 in Paris (Frankreich)
Ein deutscher Gärtner aus Prag befindet sich gerade in Paris, als im Jahr 1848 die Revolution ausbricht. In seinem Tagebuch schildert er auf vielen Seiten sehr ausführlich die Lage in diesen Tagen in Paris. Die Einträge beginnen am 22. Februar, beschreiben aber auch die darauffolgenden Tage.




"Schon um die zehnte Stunde sieht man auf der Champs-elysees viele Gruppen von Arbeitern, und ganz jungen Purschen, welche sehr ernsthafte Mienen sehen lassen; gegen Mittag wirft man schon Steine nach den Gaslaternen, und rottet sich zusammen, die zusammenrottungen verbreiten sich durch die ganze Statt; und ziehen dann Revolutionslieder singend durch die Straße herum. Als ich um 5 Uhr zum Essen gehen will, finde ich schon mehrere Straßen mit, Bänken von den Spaziergängen, mit abgehauenen Bäumen, und mit Steinen vom aufgerißenen Pflaster verrammelt, so das ich Mühe habe hindurch zu klettern... [...] ...bei den Barrieren werden die Bureaus von den Steuereinnahmen in Brand gesteckt, in Mitte de Champs-elysses ein großes Feuer gemacht und darauf aufgehaltenen Omnibus Wagen hingefahren, um das Feuer größer zu machen... [...] Zu Mittag hatte ich schon keine Ruhe bei der Arbeit, und habe daher den Antrag meiner Collegen angenommen mit denselben uns die Revolution näher anzusehen. Wir gingen daher zuerst nach den Platz de la Concorde, wo außer 2 Batalionen Militair nichts zu sehen war. Doch nach kurzer Zeit öffnete sich das große Gitter des Tuillerie=Gartens, und heraus kam zu Fuße die königl. Familie. Der König blieb in der Mitte des Platzes stehen, von einer Seite vom Militair umgeben, und von der anderen die wenigen Menschen, die auf dem Platze waren zu sich lassend; entsagte mit einigen Worten dem Französischen Throne zu Gunsten seines Enkels des Conte de Paris... [...] In einer Stunde darauf drang das Volk in die Tuillerier schon hinein und hauste darin auf eine fürchterliche Weise. Fenster wurden eingeschlagen, Stühle durch die Fenster hinaus geworfen und auf dem Platze verbrannt, nebst allen möglichen Papieren welches Haufenweise angezünden wurden; doch nach einer kurzen Zeit, traf die Nationalgarde Maßregel um dem tollen Plündern und Stehlen ein Ende zu thun, und bei allen Thüren las man die Worte: "Der Dieb wird mit dem Tode bestraft." welches auch richtig zweien geschah', die man am Diebstahle ertappte."