Belagerung von Danzig

Texte aus den Jahren
1814 - 1829


Zu diesem Thema lagert ein Brief aus dieser Zeit in unserem Archiv.


Brief aus dem Jahr 1814

Ein junger Mann schreibt seinen Eltern einen Brief und schildert darin die Zustände, die er während der Zeit der Danziger Belagerung erlebt hat.

"Auch die Hoffnung, daß die Festung durch Aufreibung der Garnison fallen würde, verschwand, indem die ansteckende Krankheit, welche in Acht Wochen von 38,000 Menschen 20,000 und 5 Generäle weggeraft hatte, gänzlich gedämpft war. In meinem Hause starben allein 37 Soldaten 2 Officiere, die Wirthin, 3 Kinder 2 Mädge und mein Bedienter; nur der Wirth, ein Kind und ich blieben verschont. [...] Doch zu welchen Scenen des Jammers sollte ich Augenzeuge seyn! Die Noth war in Danzig bis zum höchsten Gipfel gestiegen, mehrere hundert Bürger waren schon ein Raub des Hungers geworden, man griff schon zu den verzweifelten Mitteln seinen Hunger zu stillen; Kranke krepierte Pferde waren schon zu Leckerbißen geworden, man machte Brod aus bloßer Kleie, man verzehrte die höchst ungesunden kleinen Fische (Steckerlinge), man
 riß die alten Salzmagazine wieder, verbrandte die Bretter, um die Asche die beym Salzlagern eingezogenen Salztheilchen zu Ziehen, und verkaufte dieses Salzseynsollende Produkt zu 9 bis 10 Thalern das Pfund. [...] Das wirklich schreckliche 50 tägige Bombardement hatte den größten Theil der Stadt ruinirt; ganze Straßen waren in Asche gelegt und überall fand man beym Nachsuchen im Schutt die Ueberbleibsel verbrannter Menschen. Alle Tage stürtzten mehrere, von den Bomben und Granaten zertrümmerte Häuser zusammen, und auch dabey fand noch so Mancher seinen Tod. Doch hatte das Schicksal beschloßen, dieses große Elend erst mit dem Ruin sämmtlicher Einwohner zu endigen. Im November entstand die Ungeheure Feuersbrunst auf der Speicher=Insel; es brannten in einer Nacht 165 Speicher, mehrtheils maßif, sechs bis sieben Sotckwerk hoch und von einer ansehnlichen Größe, nebst 13 Wohngebäuden ab; [...]
Den 2. Januar 1814 verließen die Franzosen um 10 Uhr Morgens die Stadt, strecken vor dem Thore die Waffen und marschirten nach Rußland in ihre Gefangenschaft. Um 2 Uhr Nachmittags rückte der Herzog von Würtenberg an der Spitze von circa 10000 Mann in die Stadt, wo er mit dem Lautesten Jubel empfangen wurde, und Danzigs Elend hatte sein Ziel erreicht."